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f) So erlebte ich die Mennonitische Weltkonferenz 1984




Eine Botschaft, die mein Leben verändern kann

Als Nicht-Mennonit angefragt, meine persönlichen Eindrücke von der 11. Mennonitischen Weltkonferenz in Kürze wiederzugeben, scheitere ich an der Fülle des Dargebotenen. Dennoch ...
Tief bewegt von der Geschichte und Theologie der frühen Täufer und in der Hoffnung, etwas von ihrer Art zu leben bei ihren Nachfahren zu finden, kam ich nach Straßburg – nicht nur der Information wegen, sondern um meinen eigenen Weg zu finden, auch für meine Familie, und zwar im Hören auf das Wort Jesu. Dieses Ziel zu erreichen – und nur darüber möchte ich schreiben – war nicht leicht bei den vielen mutigen Rufen und Anrufen, bei den kritischen Fragen und Infragestellungen, den klaren Thesen und Analysen, die es zu hören gab. Ich wusste, dass ich sehr genau hinzuhören hatte, da der Herr durch die Redenden reden würde. So versuchte ich, aus den vielen Stimmen die eine des guten Hirten herauszuhören, der seinen Schafen wieder und wieder das Eine zurief, das notwendig ist neben allem andern, was dann auch getan werden kann und muss.
Und ich hörte bei Charles Christano: „Der Grundton neutestamentlicher Lehre ist, dass wir als Volk Gottes anders leben sollen“, „dass wir Gottes souveräne Herrschaft in unserem täglichen Leben zum Ausdruck bringen.“ Und bei John E. Toews und Hugo Zorilla: „Sie sind Fremdlinge, besonders, weil sie anders leben, sich von ihrem früheren Lebensstil absondern, einander lieben, das Böse aufgeben und Jesus nachfolgen – eine Art von radikalem Gehorsam, die uns erschreckt.“ Und bei Takio Takanase: „Fremdlinge und Pilgrime unterscheiden sich in ihrem Lebensstil von ihrer Umwelt, weil ihr Wertsystem andersartig ist.“ Und bei Gilberto Flores: „Petrus rief auf, zur Ehre Gottes zu leben, aus unserem sozialen Leben ein Beispiel für die Sache Christi zu machen.“ Und bei Ronald S. Sider: „So offensichtlich anders war diese neue Gemeinschaft des Schalom, dass außenstehende Betrachter nur ausrufen konnten: Wie haben sie einander so lieb!“
Diese wenigen Beispiele sollen den von mir gehörten Ruf Jesu in seine neue Schöpfung hinein verdeutlichen, in den lebendigen Organismus seines Leibes, der mehr ist als alle seine Einzelzellen, in das geistliche Gebäude, das mehr ist als ein Haufen Bausteine, in die heilende Lebensgemeinschaft der Kinder Gottes, die alles miteinander teilen wie in einer guten Familie, in das Volk Gottes, das als sichtbares Zeichen des neuen Bundes zugleich Modell für das kommende Reich Gottes ist.
Wie viele von den 7000 gläubigen Individualisten in Straßburg haben diesen Zuspruch, diesen Anspruch vernommen? Ich weiß es nicht und stimme J. E. Toews und H. Zorilla zu: „Die Bekehrung, zu der Jesus uns ruft, braucht einen langen und schwierigen Weg der Buße und Veränderung.“
Menschen auf diesem Wege trafen sich vor allem in den Interessengruppen über Lebensgemeinschaften, die es auch bei den Mennoniten in einigen Ländern gibt, Hunderte von Familien, die den Mut haben, mit ihrem ganzen Leben auf den Ruf Jesu zu antworten. Werde auch ich diesen Mut haben, und wird dieser Ruf bei der 12. Weltkonferenz deutlicher erklingen en hat und ein größeres Echo finden?
Keine andere Kirche hat einen so guten und klaren Anfang wie die Täufer und hat es daher so leicht zur Umkehr. Welch eine Chance bietet das, voranzugehen bei der großen Veränderung des menschlichen Zusammenlebens, die aus der Versöhnung mit Gott folgt! Wilhelm Prasse
[abgedruckt in: Mennonitische Blätter 1/1985]

Dieser Text ist verfasst von Wilhelm Prasse (Villingen-Schwenningen, D).
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