www.wilhelm.prassenet.de


s) "Die Politik Jesu - Der Weg des Kreuzes"




zu John H. Yoder's gleichnamigem Buch im Agape-Verlag Maxdorf 1981

Jesu „Politik ist allerdings ein Gegenentwurf zu allen verschiedenen sonstigen Modellen und dem menschlichen Grundverständnis von politischem Handeln überhaupt da er auf jede Form der Machtausübung verzichtete, was sich gerade dann zeigte, wenn sie ihm angeboten wurde. Stattdessen ordnete er sich den irdischen Mächten unter, ohne sie dabei als letztgültige Autorität anzuerkennen. Er sprach Ungerechtigkeit an, aber entschied sich, lieber unter ihr zu leiden, als selbst die ungerechten Methoden von Macht und Gewalt zu benutzen, um scheinbar oder tatsächlich gerechte Ziele zu erreichen. Damit löste er eine Bewegung aus, die revolutionär war und die Machthaber gefährdete, aber auch völlig anders war als der Widerstand der Zeloten . Der Tod Jesu und der vorausgehende Unrechtsprozess ist die logische Konsequenz dieser Lebensweise, welche die Autoritäten in Frage stellte, ohne dabei illegal zu handeln oder zum Widerstand aufzurufen – römische und jüdische Machthaber mussten ihn loswerden, um ihre Positionen zu wahren, hatten aber juristisch nichts in der Hand und griffen daher auf nächtliche Verhaftung und falsche Zeugen zurück. Damit stellte er ihre Methoden bloß und wurde in der Auferstehung zum Sieger über den Tod und damit über das größte »Druckmittel« der Mächte und Gewalten. Die Lehre Jesu, wie sie sich konzentriert in der Bergpredigt aber auch an zahlreichen anderen Stellen der Evangelien findet, fordert dazu auf, sich ebenso zu verhalten. Dies ist jedoch keine Methode der Gewaltfreiheit mit der man erfolgreicher sein kann als mit anderen Mitteln. »Das Kreuz ist kein Rezept für die Auferstehung« (S. 214) – der Lebensstil, den Yoder als »Weg des Kreuzes« bezeichnet, ist nicht auf ein Ziel hin ausgerichtet, sondern in ethischen Grundsätzen begründet die ohne Rücksicht auf Konsequenzen umgesetzt werden. Das Heil oder die Heilung, die Jesus der Welt gebracht hat, beschränkt sich nicht auf eine individuelle Versöhnung mit Gott sondern will die Menschen miteinander versöhnen und die konkrete und strukturelle Gewalt zwischen Menschen überwinden, ohne deren Methoden selbst anzuwenden.“
[aus: Heiko Prasse, Die Christologie von W. Künneth und J. H. Yoder im Vergleich", TSB Grundstudium – FS 2005]