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q) Glaube und Wirken der Quäker




Ratschläge und Fragen als Herausforderung und Anregung

Die Ratschläge und Fragen sind für den Gebrauch innerhalb unsere Versammlungen und für persönliche Besinnung und Überlegungen bestimmt. Sie sind als eine Herausforderung und Anregung an uns als Freunde in unserem persönlichen Leben und in unserem Leben als Gemeinschaft gedacht und sind ein kurz gefasster Ausdruck unseres Glaubens und Handelns, frei verfügbar für Fragesteller und für die weite Welt.
Britische Jahresversammlung der RGdF (Quäker), 1994

EINLEITUNG

Als Freunde vertrauen wir auf eine Andachtsform, die es Gott ermöglicht, uns zu lehren und zu verwandeln. Wir haben als Gemeinschaft erfahren, dass, wenn wir dem Geist folgen, er uns zu Wahrheit, Einheit und Liebe führen wird; alle unsere Zeugnisse erwachsen aus dieser Führung.

Obgleich der Gebrauch der Ratschläge und Fragen in der Gemeinschaft flexibler gehandhabt wird als in der Vergangenheit, sollten sie weiterhin der Herausforderung und geistigen Anregung der Freunde in ihrem persönlichen Leben und ihrem Leben als einer Gemeinschaft dienen, die sich der Führung durch den Geist Christi gewiss ist, bezeugt durch das Leben und die Lehre von Jesus von Nazareth.

Die Ratschläge und Fragen sind kein Anruf zu vermehrter Aktivität des einzelnen Freundes, sondern ein Erinnern an die Erkenntnisse der Gesellschaft der Freunde. Innerhalb der Gemeinschaft gibt es eine Vielzahl an Talenten. Wir sind alle aufgerufen zu überlegen, inwieweit die Ratschläge und Fragen uns persönlich angehen und wo unser eigener Beitrag liegt. Auch gibt es Erfahrungs-, Glaubens﷓ und Sprachenvielfalt. Die Freunde sind überzeugt, dass Glaubensaussagen in Beziehung zu persönlicher Erfahrung stehen müssen. Für die einen hat die traditionelle christliche Sprache große Bedeutung, für andere nicht. Unser Verständnis der eigenen Tradition kann manchmal durch Einsichten in andere Glaubensrichtungen vergrößert werden. Die tieferen Glaubenswahrheiten kann man nicht genau in Worten ausdrücken, was unsere Art der Andacht auf der Grundlage des wartenden Schweigens bezeugt.

Unsere Mannigfaltigkeit lädt uns ein, über das zu sprechen, was wir als wahr in unserem Leben erfahren haben, und gleichzeitig von anderen zu lernen. Die Freunde werden ermutigt, im Vertrauen auf den Geist, der jenseits unseres menschlichen Bestrebens und Begriffsvermögens wirkt, einander in Demut und Verständnis zuzuhören. So werden diese Ratschläge und Fragen in der Hoffnung angeboten, dass wir alle treuer und mit tieferer Freude Gott dienen mögen, zum Trost, aber ebenso zur Aufrüttlung der Freunde.

"Liebe Freunde, diese Dinge legen wir euch ans Herz, nicht als eine Regel oder Form, nach der ihr euren Wandel einrichten sollt, sondern damit alle in dem Maße geführt werden sollen, wie das Licht, das rein und heilig ist, die Form erfüllt. Und die so in dem Licht wandeln und darin verbleiben, müssen vom Geist erfüllt sein und nicht vom Buchstaben; denn der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig." (Nachschrift einer Epistel an "die Bürger im Norden"; herausgegeben von den Ältesten in Balby, 1656.)




RATSCHLAGE UND FRAGEN

1. Achtet, liebe Freunde, auf die Regungen der Liebe und der Wahrheit in euren Herzen. Vertraut ihnen als der Stimme Gottes, dessen Licht uns unsere dunklen Seiten zeigt und uns zu neuem Leben führt.

2. Stellt euer ganzes Leben unter die Führung des Geistes Christi. Seid ihr offen für die heilende Kraft der Liebe Gottes? Haltet fest an "Dem von Gott" in euch, so dass diese Liebe in euch wachsen kann und euch führt. Lasst eure Andacht und euer tägliches Leben sich gegenseitig bereichern. Schützt eure Gotteserfahrung, wie auch immer sie euch gegeben wird. Denkt daran, dass das Christentum ein Weg und nicht eine intellektuelle Idee ist.

3. Bemüht ihr euch, Zeiten der Stille für die Öffnung gegenüber dem Heiligen Geist einzuhalten? Wir alle sollten einen Weg in die Stille finden, die es uns ermöglicht, des Göttlichen bewusst zu werden und die innere Quelle unserer Kraft zu erschließen. Versucht, euch in die Stille eures Herzens zurückzuziehen, selbst in der Unruhe des täglichen Lebens. Stärkt ihr in euch und anderen die Gewohnheit, jeden Tag unter Gottes Führung zu stellen? Haltet euch selbst und andere im Licht, in der Gewissheit, dass alle von Gott behütet sind.

4. Die Religiöse Gesellschaft der Freunde hat ihre Wurzeln im Christentum und hat immer geistige Anregung in Jesu Leben und Lehre gefunden. Wie versteht ihr euren Glauben im Licht dieses Erbes? Wie spricht Jesus heute zu euch? Folgt ihr Jesu Beispiel der tätigen Liebe? Lernt ihr aus seinem Leben die Notwendigkeit und den Preis des Gehorsams Gott gegenüber? Was bewirkt seine Verbundenheit mit Gott in euch und was fordert sie in euch heraus?

5. Nehmt euch Zeit, etwas über die Erfahrungen anderer Menschen mit dem Licht kennen zu lernen. Seid euch der Bedeutung der Bibel, der Schriften der Freunde und aller Aussagen bewusst, die Gottes Weg offenbaren. So wie ihr von anderen lernt, könnt ihr gleichermaßen auch frei mitteilen von dem, was euch gegeben ist? Während ihr Respekt für die Erfahrungen und Meinungen anderer zeigt, fürchtet euch nicht zu sagen, was ihr entdeckt habt und was ihr schätzt. Erkennt, dass Zweifel und Hinterfragen auch zu geistigem Wachstum führen können und zu vermehrtem Bewusstsein des Lichts, das in uns allen ist.

6. Arbeitet ihr freudig mit anderen Gruppen in der Verfolgung gemeinsamer Ziele? Während ihr Quäkereinsichten treu bleibt, sucht verständnisvoll Leben und Zeugnis anderer Glaubensgemeinschaften kennen zu lernen und mit ihren Anhängern freundschaftliche Bindungen einzugehen.

7. Seid euch bewusst, dass der Geist Gottes im normalen Tun und Handeln und den Erfahrungen eures täglichen Lebens wirksam ist. Geistiges Lernen geschieht ein Leben lang und bereichert oft in unerwarteter Weise. Inspiration kann uns überall begegnen: in der Natur, in der Wissenschaft, in der Kunst, in unserer Arbeit, durch unsere Freundschaften, in unserer Trauer und unserer Freude. Seid ihr offen für neues Licht, von welcher Quelle auch immer es kommen mag? Nähert ihr euch abwägend neuen Ideen?

8. Schweigende Andacht als Gottesdienst ist unsere Antwort auf die Gewissheit der Gegenwart Gottes. Wir können zwar allein Andacht halten, aber wenn wir gemeinsam mit anderen erwartungsvoll verharren, kann es sein, dass wir Gottes Gegenwart stärker empfinden. Wir suchen in unseren Andachten eine gemeinschaftliche tiefe Stille, damit alle die Kraft der Liebe Gottes, die uns verbindet und leitet, erfahren können.

9. In der Andacht erfahren wir in Ehrfurcht die Vereinigung mit Gott und folgen den Regungen des Heiligen Geistes. übergebt euch selbst und all eure äußeren Anliegen der Führung Gottes, damit ihr erfahrt, dass das Böse in euch schwächer wird und das Gute wächst.

10. Kommt regelmäßig zur Andacht, selbst wenn ihr verärgert, bedrückt, müde oder geistig leer seid. Bittet im Schweigen um die Unterstützung der mit euch versammelten Freunde im Gebet und nehmt diese Hilfe an. Bemüht euch, eine geistige Einheit zu finden, die sowohl Leid als auch Dankbarkeit und Freude umfasst. Gebet, das tief aus dem Herzen entspringt, kann wie nichts anderes Heilung und Einssein bringen. Lasst euer ganzes Leben durch den Gottesdienst befruchten.

11. Seid ehrlich mit euch selbst. Welchen unangenehmen Wahrheiten sucht ihr vielleicht auszuweichen? Lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr eure Fehler erkennt. In gemeinsamer Andacht können wir die Gewissheit von Gottes Liebe und die Kraft finden, mit erneutem Mut weiterzumachen.

12. Seid ihr in der Andacht abgelenkt und verwirren euch quälende Gedanken, so versucht euch in Ruhe der Gegenwart Gottes in unserer Mitte und in der Welt bewusst zu werden. Empfangt die gesprochene Botschaft anderer in mitfühlendem und verständnisvollem Geist. Sucht die tiefere Bedeutung darin und bedenkt, auch wenn sie für euch nicht als Gottes Wort erscheinen mag, dass dies für andere zutreffen kann. Denkt daran, dass jedem Einzelnen ein Teil der Verantwortung für die Andacht gegeben ist, ob dieser Dienst nun im Schweigen oder im gesprochenen Wort besteht.

13. Nehmt nicht an, dass der Dienst am Wort niemals eure Aufgabe sein wird. Treue und Aufrichtigkeit beim Sprechen, auch wenn es kurz ist, können den Weg für umfassendere Botschaften anderer eröffnen. Wenn ihr den Ruf zu sprechen vernehmt, so wartet geduldig, bis ihr der Führung gewiss seid und dass der richtige Augenblick für die Botschaft da ist; lasst euch nicht durch ein Gefühl der Unzulänglichkeit zurückhalten. Betet darum, dass eure Botschaft tiefer Erfahrung entspringt, und vertraut darauf, dass euch die richtigen Worte gegeben werden. Versucht klar und deutlich zu sprechen, mit einfühlendem Verstehen für die Bedürfnisse der anderen. Gebt Acht, dass ihr nicht vorausgeplant oder zu oft sprecht oder einer Andacht noch etwas hinzufügt, die sich bereits dem Schluss nähert.

14. Werden eure Geschäftsversammlungen im Geiste der Andacht und im Vertrauen auf Gottes Führung gehalten? Denkt daran, dass wir keine Mehrheitsentscheidungen, nicht einmal volle Übereinstimmung suchen. Indem wir geduldig auf die göttliche Führung warten, wird sich nach unserer Erfahrung der richtige Weg, der uns in die Einheit führen wird, zeigen.

15. Nehmt ihr so oft wie möglich an Geschäftsversammlungen teil? Seid ihr hinreichend mit unserer Ordnung des Zusammenlebens vertraut, um zu deren geordnetem Verlauf beizutragen? Seid ihr in der Lage, schwierige Fragen nicht nur mit liebendem Verständnis, sondern auch gut informiert zu bedenken? Seid ihr bereit, eure eigenen Einsichten und persönlichen Wünsche neben denen der anderen gelten zu lassen oder sie zurückzustellen, während die Versammlung den rechten Weg vorwärts sucht? Wenn ihr nicht teilnehmen könnt, so unterstützt die Versammlung im Gebet.

16. Begrüßt ihr die Vielfalt an Kultur, Sprache und Ausdrucksweise für den Glauben in unserer Jahresversammlung und innerhalb der Weltgemeinschaft der Freunde? Versucht euer Verständnis zu erweitern und Gewinn aus dieser reichen Erbschaft und weiten Spanne geistiger Einsichten zu ziehen. Unterstützt eure eigene und andere Jahresversammlungen im Gebet.

17. Achtet ihr "Das von Gott“ in jedem, selbst wenn es auf ungewohnte Weise zum Ausdruck kommt oder schwer erkennbar ist? Jeder hat seine besondere Erfahrung von Gott und jeder muss den Weg finden, dieser treu zu sein. Wenn Worte euch fremd oder beunruhigend erscheinen, versucht zu ergründen, wo sie herkommen und wodurch sie das Leben anderer bereichert haben. Hört geduldig zu und versucht zu erkennen, welche Wahrheit die Meinungen anderer für euch haben können. Vermeidet verletzende Kritik und herausfordernde Sprache. Lasst euch durch die Kraft eurer Überzeugung nicht dazu verführen, Feststellungen oder Andeutungen zu machen, die ungerecht oder unwahr sind. Haltet es für möglich, dass ihr euch irren könnt.

18. Wie können wir die Quäkergruppe zu einer Gemeinschaft machen, in der sich jeder angenommen und zufrieden fühlt und Fremde willkommen sind? Sucht einander zu erkennen in dem, was ewig ist, tragt miteinander die Last eurer Verfehlungen und betet füreinander. Wenn wir einfühlsam den Freuden und Sorgen im Leben des anderen begegnen, bereit sind, Hilfe zu geben und zu empfangen, kann unsere Gruppe ein Ort für Gottes Liebe und Vergebung sein.

l9. Freut euch über die Gegenwart von Kindern und Jugendlichen in eurer Gruppe und erkennt die Gaben, die sie einbringen. Denkt daran, dass die gesamte Gruppe Mitverantwortung an der Fürsorge für jedes dazugehörende Kind trägt. Sucht für sie wie für euch selbst di vollständige Entwicklung von Gottes Gaben und des reichen Lebens, von dem Jesus sagt, dass es unser sein kann. Wie teilt ihr ihnen eure tiefsten Einsichten mit, während ihr sie sich frei entwickeln lasst, so wie Gottes Geist sie führen mag? Fordert ihr sie auf, ihre Gedanken mit euch zu teilen? Seid ihr bereit, sowohl von ihnen zu lernen als auch Verantwortung für sie zu übernehmen?

20. Nehmt ihr euch genügend Zeit mit anderen, sowohl neuen als auch langjährigen Mitgliedern der Gruppe, über euer Verständnis der Andacht, des Dienstes und der Verantwortung gegenüber dem Zeugnis der „Gesellschaft der Freunde“ zu sprechen? Gebt ihr einen angemessenen Anteil, eures Geldes zur Unterstützung von Quäkerarbeit?

21. Pflegt ihr eure Freundschaften, so dass sie an Tiefe, Verständnis und gegenseitiger Achtung gewinnen? In engen Beziehungen können wir das Wagnis eingehen, Schmerz, aber auch Freude zu finden. Erfahren wir große Freude oder Schmerz, so können wir offener für das Wirken des Heiligen Geistes sein.

22. Habt Achtung vor der Vielfalt im Lebensstil und in den Beziehungen unter uns. Unterlasst voreingenommene Urteile über den Lebensweg anderer. Pflegt ihr den Geist gegenseitigen Verstehens und Vergebens, den unsere Jüngerschaft von uns fordert? Denkt daran, dass jeder von uns einzigartig, kostbar und ein Kind Gottes ist.

23. Die Freunde haben die Ehe immer als einen Auftrag von Gott angesehen und nicht nur als reinen bürgerlichen Vertrag. Beide Partner sollten den Vorsatz haben, mit Gottes Hilfe lebenslang liebevoll füreinander zu sorgen. Denkt daran, dass das Glück von Verständnis und von unerschütterlicher Liebe beider Seiten abhängt. In schwierigen Zeiten erinnert euch an den Wert des Gebets, der Beharrlichkeit und an die befreiende Kraft des Humors.

24. Kinder und Jugendliche brauchen Liebe und Beständigkeit. Tun wir alles, was uns möglich ist, um Eltern und anderen, die Verantwortung für diese Fürsorge tragen, zu helfen und sie zu unterstützen?

25. Eine lang andauernde Beziehung bringt sowohl Spannungen als auch Erfüllung. Wenn eure Beziehung zum Partner belastet ist, sucht Hilfe im Verständnis für den Standpunkt des anderen und in der Erforschung der eigenen Gefühle, die stark und zerstörerisch sein können. Bedenkt die Wünsche und Gefühle der betroffenen Kinder und erinnert euch an deren ständiges Bedürfnis nach Liebe und Sicherheit. Sucht Gottes Führung. Sollte es zu dem leidvollen Erlebnis einer Trennung oder Scheidung kommen, versucht etwas von dem ursprünglich liebevollen Umgang zu erhalten, so dass Vereinbarungen mit einem Minimum an Bitterkeit getroffen werden können.

26. Erkennt ihr die Bedürfnisse und Talente jedes Mitglieds eurer Familie und eures Haushalts und berücksichtigt ihr auch eure eigenen? Bemüht euch, euer Heim zu einer Stätte der liebevollen Freundschaft und Erholung zu machen, wo alle, die dort leben und euch besuchen, Frieden und Erfrischung in Gottes Gegenwart finden mögen.

27. Nehmt das Leben als Wagnis. Wenn ihr zu wählen habt, nehmt ihr den Weg, der die größere Möglichkeit bietet, eure Gaben im Dienste Gottes und der Gemeinschaft zu nutzen? Lasst euer Leben sprechen. Seid ihr bereit, gemeinsam mit anderen Klarheit zu suchen, bittet Gott um Führung und helft einander mit Rat, wenn Entscheidungen zu treffen sind?

28. jeder Abschnitt unseres Lebens bietet seine neuen Möglichkeiten. Auf die göttliche Führung antwortend, versucht ohne unangemessenen Stolz oder Schuldgefühle den richtigen Augenblick zu erkennen, um Verantwortung zu übernehmen oder abzugeben. Tut, was die Liebe von euch fordert; es muss keine ins Auge fallende Tätigkeit sein.

29. Seht dem Nahen des Alters mit Mut und Hoffnung entgegen. Trefft so weit wie möglich rechtzeitig Anordnungen für eure Versorgung, so dass andere nicht ungebührlich belastet werden. Obgleich das Alter vermehrt Behinderung und Einsamkeit bringen mag, kann es auch Heiterkeit, Gelassenheit und Weisheit bringen. Betet darum, dass es euch in euren letzten Jahren gegeben werde, neue Wege zu finden, Gottes Liebe zu empfangen und weiterzugeben.

30. Ist es euch möglich, über euren Tod und den Tod eurer Nächsten nachzudenken? Haben wir die Tatsache des Todes akzeptiert, sind wir freier für ein volles Leben. Gestattet euch bei einem Verlust eine Zeit der Trauer. Wenn andere trauern, so umschließt sie mit eure, Liebe.

31. Wir sind aufgerufen "in dem Geist und in der Kraft zu leben, die die Ursache aller Kriege beseitigen." Haltet ihr unser Zeugnis gegen jeden Krieg, gegen alle Kriegsvorbereitungen als unvereinbar mit dem Geist Christi getreu aufrecht? Erforscht, was in eurem eigener Leben Samen von Krieg enthalten kann. Haltet an unserem Zeugnis fest, selbst wenn andere Gewalttaten begehen oder vorbereiten; denkt jedoch immer daran, dass auch sie Kinder Gottes sind.

32. Bringt jene Emotionen, Verhaltensweisen und Vorurteile in euch, die Ursache zerstörerischer Konflikte sind, in das Licht Gottes und erkennt, dass ihr Vergebung und Gottes Gnade braucht. Auf welche Weise setzt ihr euch für Versöhnung zwischen Einzelnen, Gruppen und Nationen ein?
33. Seid ihr wachsam gegenüber Praktiken hier und in aller Welt, die Menschen auf Grund ihrer Herkunft, ihrer Lebensumstände oder wegen ihres Glaubens diskriminieren? Legt Zeugnis für die Würde aller Menschen ab und schließt auch die ein, die sich nicht an die Umgangsregeln der Gesellschaft und ihre Gesetze halten. Versucht neue Ansatzpunkte im sozialen und wirtschaftlichen Leben zu erkennen. Sucht die Gründe für Ungerechtigkeit, soziale Unruhe und Angst zu verstehen. Helft ihr mit, eine gerechte und mitmenschliche Gesellschaft aufzubauen, in der jeder seine Fähigkeiten entwickeln kann und der Wunsch zu dienen gefördert wird?

34. Als Bürger vergesst nicht eure Mitverantwortung an der Durchführung von örtlichen, nationalen und internationalen Angelegenheiten. Scheut nicht die Mühe und Zeit, die dies erfordert.

33. Achtet die Gesetze des Staates, aber lasst euer oberstes Gesetz Gottes Absicht sein. Wenn ihr euch durch innere Überzeugung gezwungen seht das Gesetz zu brechen, prüft zuvor ernsthaft euer Gewissen. Bittet eure Andachtsgruppe um betende Unterstützung, die euch Kraft geben wird, den richtigen Weg zu gehen, sobald dieser zu erkennen ist.

36. Setzt ihr euch für jene ein, die ein Anliegen haben, selbst wenn ihr Weg nicht dem euren entspricht? Könnt ihr eure gegenseitigen Wünsche und Vorurteile beiseite legen, um mit anderen Gottes Willen für sie zu erforschen?

37. Seid ihr ehrlich und wahrhaftig in allem, was ihr sagt und tut? Übt ihr absolute Makellosigkeit in geschäftlichen Angelegenheiten und in euren Beziehungen zu Einzelnen und zu Organisationen? Benutzt ihr Geld und Mitteilungen, die euch anvertraut werden, mit Verschwiegenheit und Verantwortung? Einen Eid zu schwören schließt einen doppelten Wertmaßstab für die Wahrheit ein; wenn ihr stattdessen eine einfache Beteuerung wählt, so seid euch des Anspruchs auf Rechtschaffenheit bewusst, den ihr dadurch erhebt.

38. Wenn man euch zu einem geringeren Anspruch an eure Makellosigkeit zwingen will, seid ihr dann bereit, dem zu widerstehen? Unsere Verpflichtung gegenüber Gott und unserem Nachbarn mag uns dazu führen, unbeliebte Standpunkte zu vertreten. Lasst euch in eurem Entschluss nicht durch den Wunsch nach Kameraderie oder durch die Furcht beeinflussen, als sonderbar zu gelten.

39. Bedenkt, welche Wege zum Glück, die die Gesellschaft anbietet, wirklich Erfüllung bringen, und welche möglicherweise verderblich und zerstörerisch sind. Überlegt gut, wenn ihr Mittel der Unterhaltung oder Information auswählt. Widerstrebt dem Wunsch, Besitz oder Einkommen durch unsittliche Investitionen, Spekulationen oder Glücksspiel zu gewinnen.

40. In Anbetracht des Schadens, den der Gebrauch von Alkohol, Tabak und anderen Suchtmitteln anrichtet, überlegt, wieweit ihr euren eigenen Gebrauch einschränken oder euch ganz enthalten solltet. Bedenkt, dass jeglicher Genuss von Alkohol oder Drogen das Urteilsvermögen herabsetzt und sowohl jene, die sie konsumieren, als auch andere in Gefahr bringen kann.

41. Versucht einfach zu leben. Ein aus freiem Willen gewählter einfacher Lebensstil ist eine Quelle der Stärke. Lasst euch nicht dazu verlocken, Dinge zu kaufen, die ihr nicht wirklich benötigt oder euch nicht leisten könnt. Haltet ihr euch unterrichtet über die Auswirkungen, die euer Lebensstil auf die Weltwirtschaft und die Umwelt hat?

42. Die Welt gehört uns nicht und über ihre Reichtümer dürfen wir nicht nach unserem Belieben verfügen. Zeigt liebevolle Achtung für alle Kreaturen und sucht die Schönheit und Vielfalt der Welt zu erhalten. Bemüht euch sicherzustellen, dass unsere wachsende Macht über die Natur verantwortungsvoll gebraucht wird und mit Ehrfurcht vor Gottes andauernder Schöpfung.

„Seid Vorbild, seid Beispiel in allen Ländern, Ortschaften, Insel und Völkern, wohin ihr auch immer kommt, dass eure Haltung und euer Leben unter allen nur möglichen Menschen und zu ihnen predigen möge. Dann werdet ihr freudig über die Welt gehen und ‚Dem von Gott’ in jedem Menschen antworten.“ (George Fox, 1656, Tagebuch)

[Quelle: Quäker. Glaube und Wirken. Hg: RGdF (Quäker), Quäkerhaus, Bad Pyrmont 2002]