www.wilhelm.prassenet.de


q) Glaube und Wirken der Quńker




Ratschl├Ąge und Fragen als Herausforderung und Anregung

Die Ratschl├Ąge und Fragen sind f├╝r den Gebrauch innerhalb unsere Versammlungen und f├╝r pers├Ânliche Besinnung und ├ťberlegungen bestimmt. Sie sind als eine Herausforderung und Anregung an uns als Freunde in unserem pers├Ânlichen Leben und in unserem Leben als Gemeinschaft gedacht und sind ein kurz gefasster Ausdruck unseres Glaubens und Handelns, frei verf├╝gbar f├╝r Fragesteller und f├╝r die weite Welt.
Britische Jahresversammlung der RGdF (Qu├Ąker), 1994

EINLEITUNG

Als Freunde vertrauen wir auf eine Andachtsform, die es Gott erm├Âglicht, uns zu lehren und zu verwandeln. Wir haben als Gemeinschaft erfahren, dass, wenn wir dem Geist folgen, er uns zu Wahrheit, Einheit und Liebe f├╝hren wird; alle unsere Zeugnisse erwachsen aus dieser F├╝hrung.

Obgleich der Gebrauch der Ratschl├Ąge und Fragen in der Gemeinschaft flexibler gehandhabt wird als in der Vergangenheit, sollten sie weiterhin der Herausforderung und geistigen Anregung der Freunde in ihrem pers├Ânlichen Leben und ihrem Leben als einer Gemeinschaft dienen, die sich der F├╝hrung durch den Geist Christi gewiss ist, bezeugt durch das Leben und die Lehre von Jesus von Nazareth.

Die Ratschl├Ąge und Fragen sind kein Anruf zu vermehrter Aktivit├Ąt des einzelnen Freundes, sondern ein Erinnern an die Erkenntnisse der Gesellschaft der Freunde. Innerhalb der Gemeinschaft gibt es eine Vielzahl an Talenten. Wir sind alle aufgerufen zu ├╝berlegen, inwieweit die Ratschl├Ąge und Fragen uns pers├Ânlich angehen und wo unser eigener Beitrag liegt. Auch gibt es Erfahrungs-, Glaubens´Ěô und Sprachenvielfalt. Die Freunde sind ├╝berzeugt, dass Glaubensaussagen in Beziehung zu pers├Ânlicher Erfahrung stehen m├╝ssen. F├╝r die einen hat die traditionelle christliche Sprache gro├če Bedeutung, f├╝r andere nicht. Unser Verst├Ąndnis der eigenen Tradition kann manchmal durch Einsichten in andere Glaubensrichtungen vergr├Â├čert werden. Die tieferen Glaubenswahrheiten kann man nicht genau in Worten ausdr├╝cken, was unsere Art der Andacht auf der Grundlage des wartenden Schweigens bezeugt.

Unsere Mannigfaltigkeit l├Ądt uns ein, ├╝ber das zu sprechen, was wir als wahr in unserem Leben erfahren haben, und gleichzeitig von anderen zu lernen. Die Freunde werden ermutigt, im Vertrauen auf den Geist, der jenseits unseres menschlichen Bestrebens und Begriffsverm├Âgens wirkt, einander in Demut und Verst├Ąndnis zuzuh├Âren. So werden diese Ratschl├Ąge und Fragen in der Hoffnung angeboten, dass wir alle treuer und mit tieferer Freude Gott dienen m├Âgen, zum Trost, aber ebenso zur Aufr├╝ttlung der Freunde.

"Liebe Freunde, diese Dinge legen wir euch ans Herz, nicht als eine Regel oder Form, nach der ihr euren Wandel einrichten sollt, sondern damit alle in dem Ma├če gef├╝hrt werden sollen, wie das Licht, das rein und heilig ist, die Form erf├╝llt. Und die so in dem Licht wandeln und darin verbleiben, m├╝ssen vom Geist erf├╝llt sein und nicht vom Buchstaben; denn der Buchstabe t├Âtet, aber der Geist macht lebendig." (Nachschrift einer Epistel an "die B├╝rger im Norden"; herausgegeben von den ├ältesten in Balby, 1656.)




RATSCHLAGE UND FRAGEN

1. Achtet, liebe Freunde, auf die Regungen der Liebe und der Wahrheit in euren Herzen. Vertraut ihnen als der Stimme Gottes, dessen Licht uns unsere dunklen Seiten zeigt und uns zu neuem Leben f├╝hrt.

2. Stellt euer ganzes Leben unter die F├╝hrung des Geistes Christi. Seid ihr offen f├╝r die heilende Kraft der Liebe Gottes? Haltet fest an "Dem von Gott" in euch, so dass diese Liebe in euch wachsen kann und euch f├╝hrt. Lasst eure Andacht und euer t├Ągliches Leben sich gegenseitig bereichern. Sch├╝tzt eure Gotteserfahrung, wie auch immer sie euch gegeben wird. Denkt daran, dass das Christentum ein Weg und nicht eine intellektuelle Idee ist.

3. Bem├╝ht ihr euch, Zeiten der Stille f├╝r die ├ľffnung gegen├╝ber dem Heiligen Geist einzuhalten? Wir alle sollten einen Weg in die Stille finden, die es uns erm├Âglicht, des G├Âttlichen bewusst zu werden und die innere Quelle unserer Kraft zu erschlie├čen. Versucht, euch in die Stille eures Herzens zur├╝ckzuziehen, selbst in der Unruhe des t├Ąglichen Lebens. St├Ąrkt ihr in euch und anderen die Gewohnheit, jeden Tag unter Gottes F├╝hrung zu stellen? Haltet euch selbst und andere im Licht, in der Gewissheit, dass alle von Gott beh├╝tet sind.

4. Die Religi├Âse Gesellschaft der Freunde hat ihre Wurzeln im Christentum und hat immer geistige Anregung in Jesu Leben und Lehre gefunden. Wie versteht ihr euren Glauben im Licht dieses Erbes? Wie spricht Jesus heute zu euch? Folgt ihr Jesu Beispiel der t├Ątigen Liebe? Lernt ihr aus seinem Leben die Notwendigkeit und den Preis des Gehorsams Gott gegen├╝ber? Was bewirkt seine Verbundenheit mit Gott in euch und was fordert sie in euch heraus?

5. Nehmt euch Zeit, etwas ├╝ber die Erfahrungen anderer Menschen mit dem Licht kennen zu lernen. Seid euch der Bedeutung der Bibel, der Schriften der Freunde und aller Aussagen bewusst, die Gottes Weg offenbaren. So wie ihr von anderen lernt, k├Ânnt ihr gleicherma├čen auch frei mitteilen von dem, was euch gegeben ist? W├Ąhrend ihr Respekt f├╝r die Erfahrungen und Meinungen anderer zeigt, f├╝rchtet euch nicht zu sagen, was ihr entdeckt habt und was ihr sch├Ątzt. Erkennt, dass Zweifel und Hinterfragen auch zu geistigem Wachstum f├╝hren k├Ânnen und zu vermehrtem Bewusstsein des Lichts, das in uns allen ist.

6. Arbeitet ihr freudig mit anderen Gruppen in der Verfolgung gemeinsamer Ziele? W├Ąhrend ihr Qu├Ąkereinsichten treu bleibt, sucht verst├Ąndnisvoll Leben und Zeugnis anderer Glaubensgemeinschaften kennen zu lernen und mit ihren Anh├Ąngern freundschaftliche Bindungen einzugehen.

7. Seid euch bewusst, dass der Geist Gottes im normalen Tun und Handeln und den Erfahrungen eures t├Ąglichen Lebens wirksam ist. Geistiges Lernen geschieht ein Leben lang und bereichert oft in unerwarteter Weise. Inspiration kann uns ├╝berall begegnen: in der Natur, in der Wissenschaft, in der Kunst, in unserer Arbeit, durch unsere Freundschaften, in unserer Trauer und unserer Freude. Seid ihr offen f├╝r neues Licht, von welcher Quelle auch immer es kommen mag? N├Ąhert ihr euch abw├Ągend neuen Ideen?

8. Schweigende Andacht als Gottesdienst ist unsere Antwort auf die Gewissheit der Gegenwart Gottes. Wir k├Ânnen zwar allein Andacht halten, aber wenn wir gemeinsam mit anderen erwartungsvoll verharren, kann es sein, dass wir Gottes Gegenwart st├Ąrker empfinden. Wir suchen in unseren Andachten eine gemeinschaftliche tiefe Stille, damit alle die Kraft der Liebe Gottes, die uns verbindet und leitet, erfahren k├Ânnen.

9. In der Andacht erfahren wir in Ehrfurcht die Vereinigung mit Gott und folgen den Regungen des Heiligen Geistes. ├╝bergebt euch selbst und all eure ├Ąu├čeren Anliegen der F├╝hrung Gottes, damit ihr erfahrt, dass das B├Âse in euch schw├Ącher wird und das Gute w├Ąchst.

10. Kommt regelm├Ą├čig zur Andacht, selbst wenn ihr ver├Ąrgert, bedr├╝ckt, m├╝de oder geistig leer seid. Bittet im Schweigen um die Unterst├╝tzung der mit euch versammelten Freunde im Gebet und nehmt diese Hilfe an. Bem├╝ht euch, eine geistige Einheit zu finden, die sowohl Leid als auch Dankbarkeit und Freude umfasst. Gebet, das tief aus dem Herzen entspringt, kann wie nichts anderes Heilung und Einssein bringen. Lasst euer ganzes Leben durch den Gottesdienst befruchten.

11. Seid ehrlich mit euch selbst. Welchen unangenehmen Wahrheiten sucht ihr vielleicht auszuweichen? Lasst euch nicht entmutigen, wenn ihr eure Fehler erkennt. In gemeinsamer Andacht k├Ânnen wir die Gewissheit von Gottes Liebe und die Kraft finden, mit erneutem Mut weiterzumachen.

12. Seid ihr in der Andacht abgelenkt und verwirren euch qu├Ąlende Gedanken, so versucht euch in Ruhe der Gegenwart Gottes in unserer Mitte und in der Welt bewusst zu werden. Empfangt die gesprochene Botschaft anderer in mitf├╝hlendem und verst├Ąndnisvollem Geist. Sucht die tiefere Bedeutung darin und bedenkt, auch wenn sie f├╝r euch nicht als Gottes Wort erscheinen mag, dass dies f├╝r andere zutreffen kann. Denkt daran, dass jedem Einzelnen ein Teil der Verantwortung f├╝r die Andacht gegeben ist, ob dieser Dienst nun im Schweigen oder im gesprochenen Wort besteht.

13. Nehmt nicht an, dass der Dienst am Wort niemals eure Aufgabe sein wird. Treue und Aufrichtigkeit beim Sprechen, auch wenn es kurz ist, k├Ânnen den Weg f├╝r umfassendere Botschaften anderer er├Âffnen. Wenn ihr den Ruf zu sprechen vernehmt, so wartet geduldig, bis ihr der F├╝hrung gewiss seid und dass der richtige Augenblick f├╝r die Botschaft da ist; lasst euch nicht durch ein Gef├╝hl der Unzul├Ąnglichkeit zur├╝ckhalten. Betet darum, dass eure Botschaft tiefer Erfahrung entspringt, und vertraut darauf, dass euch die richtigen Worte gegeben werden. Versucht klar und deutlich zu sprechen, mit einf├╝hlendem Verstehen f├╝r die Bed├╝rfnisse der anderen. Gebt Acht, dass ihr nicht vorausgeplant oder zu oft sprecht oder einer Andacht noch etwas hinzuf├╝gt, die sich bereits dem Schluss n├Ąhert.

14. Werden eure Gesch├Ąftsversammlungen im Geiste der Andacht und im Vertrauen auf Gottes F├╝hrung gehalten? Denkt daran, dass wir keine Mehrheitsentscheidungen, nicht einmal volle ├ťbereinstimmung suchen. Indem wir geduldig auf die g├Âttliche F├╝hrung warten, wird sich nach unserer Erfahrung der richtige Weg, der uns in die Einheit f├╝hren wird, zeigen.

15. Nehmt ihr so oft wie m├Âglich an Gesch├Ąftsversammlungen teil? Seid ihr hinreichend mit unserer Ordnung des Zusammenlebens vertraut, um zu deren geordnetem Verlauf beizutragen? Seid ihr in der Lage, schwierige Fragen nicht nur mit liebendem Verst├Ąndnis, sondern auch gut informiert zu bedenken? Seid ihr bereit, eure eigenen Einsichten und pers├Ânlichen W├╝nsche neben denen der anderen gelten zu lassen oder sie zur├╝ckzustellen, w├Ąhrend die Versammlung den rechten Weg vorw├Ąrts sucht? Wenn ihr nicht teilnehmen k├Ânnt, so unterst├╝tzt die Versammlung im Gebet.

16. Begr├╝├čt ihr die Vielfalt an Kultur, Sprache und Ausdrucksweise f├╝r den Glauben in unserer Jahresversammlung und innerhalb der Weltgemeinschaft der Freunde? Versucht euer Verst├Ąndnis zu erweitern und Gewinn aus dieser reichen Erbschaft und weiten Spanne geistiger Einsichten zu ziehen. Unterst├╝tzt eure eigene und andere Jahresversammlungen im Gebet.

17. Achtet ihr "Das von GottÔÇť in jedem, selbst wenn es auf ungewohnte Weise zum Ausdruck kommt oder schwer erkennbar ist? Jeder hat seine besondere Erfahrung von Gott und jeder muss den Weg finden, dieser treu zu sein. Wenn Worte euch fremd oder beunruhigend erscheinen, versucht zu ergr├╝nden, wo sie herkommen und wodurch sie das Leben anderer bereichert haben. H├Ârt geduldig zu und versucht zu erkennen, welche Wahrheit die Meinungen anderer f├╝r euch haben k├Ânnen. Vermeidet verletzende Kritik und herausfordernde Sprache. Lasst euch durch die Kraft eurer ├ťberzeugung nicht dazu verf├╝hren, Feststellungen oder Andeutungen zu machen, die ungerecht oder unwahr sind. Haltet es f├╝r m├Âglich, dass ihr euch irren k├Ânnt.

18. Wie k├Ânnen wir die Qu├Ąkergruppe zu einer Gemeinschaft machen, in der sich jeder angenommen und zufrieden f├╝hlt und Fremde willkommen sind? Sucht einander zu erkennen in dem, was ewig ist, tragt miteinander die Last eurer Verfehlungen und betet f├╝reinander. Wenn wir einf├╝hlsam den Freuden und Sorgen im Leben des anderen begegnen, bereit sind, Hilfe zu geben und zu empfangen, kann unsere Gruppe ein Ort f├╝r Gottes Liebe und Vergebung sein.

l9. Freut euch ├╝ber die Gegenwart von Kindern und Jugendlichen in eurer Gruppe und erkennt die Gaben, die sie einbringen. Denkt daran, dass die gesamte Gruppe Mitverantwortung an der F├╝rsorge f├╝r jedes dazugeh├Ârende Kind tr├Ągt. Sucht f├╝r sie wie f├╝r euch selbst di vollst├Ąndige Entwicklung von Gottes Gaben und des reichen Lebens, von dem Jesus sagt, dass es unser sein kann. Wie teilt ihr ihnen eure tiefsten Einsichten mit, w├Ąhrend ihr sie sich frei entwickeln lasst, so wie Gottes Geist sie f├╝hren mag? Fordert ihr sie auf, ihre Gedanken mit euch zu teilen? Seid ihr bereit, sowohl von ihnen zu lernen als auch Verantwortung f├╝r sie zu ├╝bernehmen?

20. Nehmt ihr euch gen├╝gend Zeit mit anderen, sowohl neuen als auch langj├Ąhrigen Mitgliedern der Gruppe, ├╝ber euer Verst├Ąndnis der Andacht, des Dienstes und der Verantwortung gegen├╝ber dem Zeugnis der ÔÇ×Gesellschaft der FreundeÔÇť zu sprechen? Gebt ihr einen angemessenen Anteil, eures Geldes zur Unterst├╝tzung von Qu├Ąkerarbeit?

21. Pflegt ihr eure Freundschaften, so dass sie an Tiefe, Verst├Ąndnis und gegenseitiger Achtung gewinnen? In engen Beziehungen k├Ânnen wir das Wagnis eingehen, Schmerz, aber auch Freude zu finden. Erfahren wir gro├če Freude oder Schmerz, so k├Ânnen wir offener f├╝r das Wirken des Heiligen Geistes sein.

22. Habt Achtung vor der Vielfalt im Lebensstil und in den Beziehungen unter uns. Unterlasst voreingenommene Urteile ├╝ber den Lebensweg anderer. Pflegt ihr den Geist gegenseitigen Verstehens und Vergebens, den unsere J├╝ngerschaft von uns fordert? Denkt daran, dass jeder von uns einzigartig, kostbar und ein Kind Gottes ist.

23. Die Freunde haben die Ehe immer als einen Auftrag von Gott angesehen und nicht nur als reinen b├╝rgerlichen Vertrag. Beide Partner sollten den Vorsatz haben, mit Gottes Hilfe lebenslang liebevoll f├╝reinander zu sorgen. Denkt daran, dass das Gl├╝ck von Verst├Ąndnis und von unersch├╝tterlicher Liebe beider Seiten abh├Ąngt. In schwierigen Zeiten erinnert euch an den Wert des Gebets, der Beharrlichkeit und an die befreiende Kraft des Humors.

24. Kinder und Jugendliche brauchen Liebe und Best├Ąndigkeit. Tun wir alles, was uns m├Âglich ist, um Eltern und anderen, die Verantwortung f├╝r diese F├╝rsorge tragen, zu helfen und sie zu unterst├╝tzen?

25. Eine lang andauernde Beziehung bringt sowohl Spannungen als auch Erf├╝llung. Wenn eure Beziehung zum Partner belastet ist, sucht Hilfe im Verst├Ąndnis f├╝r den Standpunkt des anderen und in der Erforschung der eigenen Gef├╝hle, die stark und zerst├Ârerisch sein k├Ânnen. Bedenkt die W├╝nsche und Gef├╝hle der betroffenen Kinder und erinnert euch an deren st├Ąndiges Bed├╝rfnis nach Liebe und Sicherheit. Sucht Gottes F├╝hrung. Sollte es zu dem leidvollen Erlebnis einer Trennung oder Scheidung kommen, versucht etwas von dem urspr├╝nglich liebevollen Umgang zu erhalten, so dass Vereinbarungen mit einem Minimum an Bitterkeit getroffen werden k├Ânnen.

26. Erkennt ihr die Bed├╝rfnisse und Talente jedes Mitglieds eurer Familie und eures Haushalts und ber├╝cksichtigt ihr auch eure eigenen? Bem├╝ht euch, euer Heim zu einer St├Ątte der liebevollen Freundschaft und Erholung zu machen, wo alle, die dort leben und euch besuchen, Frieden und Erfrischung in Gottes Gegenwart finden m├Âgen.

27. Nehmt das Leben als Wagnis. Wenn ihr zu w├Ąhlen habt, nehmt ihr den Weg, der die gr├Â├čere M├Âglichkeit bietet, eure Gaben im Dienste Gottes und der Gemeinschaft zu nutzen? Lasst euer Leben sprechen. Seid ihr bereit, gemeinsam mit anderen Klarheit zu suchen, bittet Gott um F├╝hrung und helft einander mit Rat, wenn Entscheidungen zu treffen sind?

28. jeder Abschnitt unseres Lebens bietet seine neuen M├Âglichkeiten. Auf die g├Âttliche F├╝hrung antwortend, versucht ohne unangemessenen Stolz oder Schuldgef├╝hle den richtigen Augenblick zu erkennen, um Verantwortung zu ├╝bernehmen oder abzugeben. Tut, was die Liebe von euch fordert; es muss keine ins Auge fallende T├Ątigkeit sein.

29. Seht dem Nahen des Alters mit Mut und Hoffnung entgegen. Trefft so weit wie m├Âglich rechtzeitig Anordnungen f├╝r eure Versorgung, so dass andere nicht ungeb├╝hrlich belastet werden. Obgleich das Alter vermehrt Behinderung und Einsamkeit bringen mag, kann es auch Heiterkeit, Gelassenheit und Weisheit bringen. Betet darum, dass es euch in euren letzten Jahren gegeben werde, neue Wege zu finden, Gottes Liebe zu empfangen und weiterzugeben.

30. Ist es euch m├Âglich, ├╝ber euren Tod und den Tod eurer N├Ąchsten nachzudenken? Haben wir die Tatsache des Todes akzeptiert, sind wir freier f├╝r ein volles Leben. Gestattet euch bei einem Verlust eine Zeit der Trauer. Wenn andere trauern, so umschlie├čt sie mit eure, Liebe.

31. Wir sind aufgerufen "in dem Geist und in der Kraft zu leben, die die Ursache aller Kriege beseitigen." Haltet ihr unser Zeugnis gegen jeden Krieg, gegen alle Kriegsvorbereitungen als unvereinbar mit dem Geist Christi getreu aufrecht? Erforscht, was in eurem eigener Leben Samen von Krieg enthalten kann. Haltet an unserem Zeugnis fest, selbst wenn andere Gewalttaten begehen oder vorbereiten; denkt jedoch immer daran, dass auch sie Kinder Gottes sind.

32. Bringt jene Emotionen, Verhaltensweisen und Vorurteile in euch, die Ursache zerst├Ârerischer Konflikte sind, in das Licht Gottes und erkennt, dass ihr Vergebung und Gottes Gnade braucht. Auf welche Weise setzt ihr euch f├╝r Vers├Âhnung zwischen Einzelnen, Gruppen und Nationen ein?
33. Seid ihr wachsam gegen├╝ber Praktiken hier und in aller Welt, die Menschen auf Grund ihrer Herkunft, ihrer Lebensumst├Ąnde oder wegen ihres Glaubens diskriminieren? Legt Zeugnis f├╝r die W├╝rde aller Menschen ab und schlie├čt auch die ein, die sich nicht an die Umgangsregeln der Gesellschaft und ihre Gesetze halten. Versucht neue Ansatzpunkte im sozialen und wirtschaftlichen Leben zu erkennen. Sucht die Gr├╝nde f├╝r Ungerechtigkeit, soziale Unruhe und Angst zu verstehen. Helft ihr mit, eine gerechte und mitmenschliche Gesellschaft aufzubauen, in der jeder seine F├Ąhigkeiten entwickeln kann und der Wunsch zu dienen gef├Ârdert wird?

34. Als B├╝rger vergesst nicht eure Mitverantwortung an der Durchf├╝hrung von ├Ârtlichen, nationalen und internationalen Angelegenheiten. Scheut nicht die M├╝he und Zeit, die dies erfordert.

33. Achtet die Gesetze des Staates, aber lasst euer oberstes Gesetz Gottes Absicht sein. Wenn ihr euch durch innere ├ťberzeugung gezwungen seht das Gesetz zu brechen, pr├╝ft zuvor ernsthaft euer Gewissen. Bittet eure Andachtsgruppe um betende Unterst├╝tzung, die euch Kraft geben wird, den richtigen Weg zu gehen, sobald dieser zu erkennen ist.

36. Setzt ihr euch f├╝r jene ein, die ein Anliegen haben, selbst wenn ihr Weg nicht dem euren entspricht? K├Ânnt ihr eure gegenseitigen W├╝nsche und Vorurteile beiseite legen, um mit anderen Gottes Willen f├╝r sie zu erforschen?

37. Seid ihr ehrlich und wahrhaftig in allem, was ihr sagt und tut? ├ťbt ihr absolute Makellosigkeit in gesch├Ąftlichen Angelegenheiten und in euren Beziehungen zu Einzelnen und zu Organisationen? Benutzt ihr Geld und Mitteilungen, die euch anvertraut werden, mit Verschwiegenheit und Verantwortung? Einen Eid zu schw├Âren schlie├čt einen doppelten Wertma├čstab f├╝r die Wahrheit ein; wenn ihr stattdessen eine einfache Beteuerung w├Ąhlt, so seid euch des Anspruchs auf Rechtschaffenheit bewusst, den ihr dadurch erhebt.

38. Wenn man euch zu einem geringeren Anspruch an eure Makellosigkeit zwingen will, seid ihr dann bereit, dem zu widerstehen? Unsere Verpflichtung gegen├╝ber Gott und unserem Nachbarn mag uns dazu f├╝hren, unbeliebte Standpunkte zu vertreten. Lasst euch in eurem Entschluss nicht durch den Wunsch nach Kameraderie oder durch die Furcht beeinflussen, als sonderbar zu gelten.

39. Bedenkt, welche Wege zum Gl├╝ck, die die Gesellschaft anbietet, wirklich Erf├╝llung bringen, und welche m├Âglicherweise verderblich und zerst├Ârerisch sind. ├ťberlegt gut, wenn ihr Mittel der Unterhaltung oder Information ausw├Ąhlt. Widerstrebt dem Wunsch, Besitz oder Einkommen durch unsittliche Investitionen, Spekulationen oder Gl├╝cksspiel zu gewinnen.

40. In Anbetracht des Schadens, den der Gebrauch von Alkohol, Tabak und anderen Suchtmitteln anrichtet, ├╝berlegt, wieweit ihr euren eigenen Gebrauch einschr├Ąnken oder euch ganz enthalten solltet. Bedenkt, dass jeglicher Genuss von Alkohol oder Drogen das Urteilsverm├Âgen herabsetzt und sowohl jene, die sie konsumieren, als auch andere in Gefahr bringen kann.

41. Versucht einfach zu leben. Ein aus freiem Willen gew├Ąhlter einfacher Lebensstil ist eine Quelle der St├Ąrke. Lasst euch nicht dazu verlocken, Dinge zu kaufen, die ihr nicht wirklich ben├Âtigt oder euch nicht leisten k├Ânnt. Haltet ihr euch unterrichtet ├╝ber die Auswirkungen, die euer Lebensstil auf die Weltwirtschaft und die Umwelt hat?

42. Die Welt geh├Ârt uns nicht und ├╝ber ihre Reicht├╝mer d├╝rfen wir nicht nach unserem Belieben verf├╝gen. Zeigt liebevolle Achtung f├╝r alle Kreaturen und sucht die Sch├Ânheit und Vielfalt der Welt zu erhalten. Bem├╝ht euch sicherzustellen, dass unsere wachsende Macht ├╝ber die Natur verantwortungsvoll gebraucht wird und mit Ehrfurcht vor Gottes andauernder Sch├Âpfung.

ÔÇ×Seid Vorbild, seid Beispiel in allen L├Ąndern, Ortschaften, Insel und V├Âlkern, wohin ihr auch immer kommt, dass eure Haltung und euer Leben unter allen nur m├Âglichen Menschen und zu ihnen predigen m├Âge. Dann werdet ihr freudig ├╝ber die Welt gehen und ÔÇÜDem von GottÔÇÖ in jedem Menschen antworten.ÔÇť (George Fox, 1656, Tagebuch)

[Quelle: Qu├Ąker. Glaube und Wirken. Hg: RGdF (Qu├Ąker), Qu├Ąkerhaus, Bad Pyrmont 2002]