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o) Meine GrŁnde, Qušker zu werden




Begr√ľndung des Antrags auf Mitgliedschaft (13.5.06)

1. Dankbarkeit f√ľr die als Sch√ľler vor 50 Jahren genossene Qu√§kerspeisung und das damals erworbene meine Hoffnung weckende Buch von Thomas R. Kelly "Heiliger Gehorsam", das mich neun Jahre sp√§ter in einer schweren Krise als Ungl√§ubigen zum Beten ermutigte und so Gottes Liebe √ľberw√§ltigend erfahren lie√ü.
2. Die zunehmende Unfähigkeit, die biblizistische Theologie der von mir an sich sehr geschätzten friedlichen Wiedertäufergemeinden (Mennoniten u. a.) und neuen Lebensgemeinschaften zu teilen, deren Geschichte und Lehren ich im Ruhestand studierte und die ich in den USA, Kanada und Deutschland besuchte.
3. Die Gespr√§che mit Freundinnen und Freunden der Freiburger Qu√§ker seit 10 Jahren, die dazu f√ľhrten, dass sich bei mir zunehmend mehr Achtung, Geduld und Verst√§ndnis f√ľr anders Denkende in der gleichen Gruppe entwickelten, was ich f√ľr mein Menschsein als wesentlichen Fortschritt begr√ľ√üe.
4. Mein jahrelanges Bem√ľhen, das in Verhei√üungen Jesu begr√ľndete Verlangen nach Gotteserfahrung in machtfreier br√ľderlich-schwesterlicher Gemeinschaft bei den Qu√§kern in ihrer Praxis und in ihren Werten und Zielen zu finden, indem ich sie mit eigenen Worten auszudr√ľcken, immer besser zu verstehen und mir anzueignen versuchte.
5. Zunehmende Begegnungen, u. a. auf Bezirksversammlungen, auf denen - auch gegen√ľber Unbekannten - eine so vertrauensvolle und herzliche Offenheit herrschte, wie es wegen der st√§ndigen Angst vor Irrlehren und dem damit verbundenen Verurteilen sonst schwer m√∂glich ist infolge der √ľblichen dogmatischen und moralischen Einengung.
6. Die w√§hrend des gemeinsamen Schweigens und H√∂rens nach innen erlebte Verbundenheit mit den anderen, die tiefer und echter ist als eine, die durch √úbereinstimmung in Glaubenss√§tzen entsteht, und die Ursache der Freundschafts- und Friedensf√§higkeit und des weltweiten Einsatzes der Qu√§ker f√ľr Freiheit und Gerechtigkeit sein d√ľrfte.
7. Der Beginn eines Andachtskreises im Sinne der Qu√§ker mit einem Freund seit Dezember 2005 zweimal im Monat in Villingen und das √ľberraschende Hinzukommen von zwei weiteren Freunden seit April 2006, denen sowohl an Gemeinschaft untereinander wie am schweigenden H√∂ren nach innen sehr gelegen ist.
8. Die dadurch vermuteten Herausforderungen, hier am Ort am weiteren Aufbau einer Andachtsgruppe mitzuwirken und dar√ľber hinaus zu vermitteln zwischen den Liberalen, denen eine Wurzel der Qu√§ker verloren ging - die Menschwerdung des Lichtes in Jesus - und den Evangelikalen, die dieses Licht nur im religi√∂sen Rahmen biblischer √úberlieferung her deuten k√∂nnen. Mein Bem√ľhen ist es, Dietrich Bonhoeffer's Anregung folgend (Brief vom 30.4.44), mir und anderen nichtreligi√∂sen Menschen die Bibel und das Evangelium weltlich zu deuten, besonders historisch, sozialethisch und psychologisch, die Grenzen m√∂glicher Erfahrung nicht √ľbersteigend (also immanent statt transzendent).
9. Nach vielen Erfahrungen mit anderen Gruppen erscheint mir die Gemeinschaft der Qu√§ker als die, in der ich am ehesten die bedingungslose Liebe Jesu und seines Vaters zu allen Menschen m√ľndlich und schriftlich bezeugen und auch praktisch leben - geben und empfangen - kann.
10. In dieser Gemeinschaft muss ich weder mich noch mein kritisches Denken und Reden noch mein eigenes F√ľhlen aufgeben, sondern darf echt, also ich selbst sein und mich gleichrangig mit anderen ohne Bevormundung weiter entfalten im H√∂ren auf Gottes Geist in mir und aufeinander im zwanglosen, friedlichen und humorvollen Umgang miteinander.

Dieser Text ist verfasst von Wilhelm Prasse (Villingen-Schwenningen, D).
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