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o) Die fünf Stufen der Gesprächskultur




Von Eberhard E. Küttner, 20.9.03

Stufe 1:
„Ich bin nicht deiner Meinung."
Mit dieser wertfreien Aussage stelle ich nur eine Meinungsverschiedenheit fest,
beanspruche aber nicht, recht zu haben.
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Stufe 2:
„Ich halte deine Meinung für falsch."
Damit äußere ich lediglich eine rein persönliche Bewertung der Ansicht des Gesprächspartners.
Diese Formulierung läßt immer noch die Möglichkeit offen, daß ich mich auch irren kann.
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Stufe 3:
„Deine Meinung ist falsch."
Hier wird nicht mehr nur eine persönlich-unverbindliche Bewertung ausgedrückt,
sondern eine, die Allgemeingültigkeit beansprucht.
Es wird ausgeschlossen, daß der andere recht haben könnte,
und die eigene Ansicht als die unbestritten richtige dargestellt.
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Stufe 4:
„Das ist vollkommene Spinnerei!"
Die andere Meinung wird nicht nur als falsch zurückgewiesen,
sondern darüber hinaus noch unsachlich herabgewürdigt.
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Stufe 5:
„Du bist ein Spinner!"
Aus der Ablehnung einer Meinung wird schließlich die Ablehnung der Person, von der sie vertreten wird.



Diese Stufen von 1 bis 5 stellen einen schrittweisen Prozeß dar von der respektvollen Achtung des Gesprächspartners bis hin zu seiner aggressiv ge-tönten Mißachtung.

Die beiden einzig akzeptablen Haltungen in einem kulturvollen Streitgespräch sind – mit einer Nuancierung – die der Stufen 1 und 2.

In Stufe 3 wird die alleinige Richtigkeit des eigenen Standpunktes behauptet und damit dem freien und gleichberechtigten Meinungsaustausch die Grundlage entzogen.

Stufe 4 verläßt endgültig die sachliche Ebene des Gesprächs, denn in ihr wird der Gesprächspartner wegen seiner Meinung indirekt selbst disqualifiziert.

Stufe 5 ist als direkte persönliche Beleidigung des Gesprächspartners bereits eine verbale Aggression, welche die Gefahr der Eskalation in sich birgt.

Eine würdige und produktive Streitkultur zeichnet sich dadurch aus, daß beide Gesprächspartner einander von vornherein das Recht auf ihre kontroversen Meinungen zubilligen und die Möglichkeit des eigenen Irrtums nicht ausschließen. Beide begegnen einander bis zum Ende des Gesprächs mit Achtung und Anstand und respektieren den jeweils anderen auch dann, wenn sie seine Ansichten nicht teilen. Sie hören sehr aufmerksam auf das, was der andere sagt, und bemühen sich, es zu verstehen. Sie gehen davon aus, daß auch der andere vernünftige Gründe für seinen Standpunkt hat und das gleiche Recht, ihn zu vertreten. Sie sind sich bewußt, daß es je nach Betrachtungsweise sehr oft mehrere Wahrheiten nebeneinander gibt. Deshalb trennen sie klar die Meinung (die sie ablehnen) von der Person (die sie trotzdem schätzen).

Wenn der eine der beiden Gesprächspartner diese Regeln nicht zu beachten bereit oder fähig ist, sollte der andere die Unterredung sachlich und in freundlichem Ton beenden, bevor sie eskaliert, und dabei zugleich auf die Möglichkeit einer späteren Fortsetzung hinweisen.