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q) CDU - eine christliche Partei?




In japanischen Schulbüchern wird den Kindern Jesu Gleichnis vom barmherzigen Samariter als typisch christlich vorgestellt, und diese Vorstellung ist auch bei uns noch lebendig trotz allen Wissens um die entgegengesetzte Geschichte und Politik der Kirchen seit Konstantin. Das erklärt die volkstümliche Erwartung, es könne eine Partei geben, die im ursprünglichen Sinne christlich ist. Dagegen klagt Jesus in den Evangelien häufig die Heuchelei der führenden Vertreter einer Religion ohne Gott an, wie sie das Judentum seiner Zeit war und später auch das Christentum und der Islam wurden. Für alle drei gilt: Sie sagen Gott und meinen sich selbst. Jesus aber ging es um eine wirkliche Gottesbeziehung, die er Vertrauen und Liebe nennt. Sie kann nur eine Ich-Du-Beziehung zwischen Personen sein und nie Sache einer Institution, etwa einer Kirche oder Partei. Sie können zwar den Würdetitel Christus als Gütesiegel für sich in Anspruch nehmen und zu Werbezwecken für sich missbrauchen, dem Anspruch Jesu aber nicht genügen, barmherzig zu sein wie sein Vater, schon deswegen nicht, weil eine Institution kein „Herz für die Armen“ (misericordia) haben kann. Das können nur Menschen haben, und die gibt es – auch ohne Religion – überall, besonders unter den Frauen, denen es bisher in den meisten Gesellschaften erlaubt wird, das natürliche Mitgefühl zu helfender Tat werden zu lassen, z. B. in Familie, Kindergarten, Krankenhaus, Lazarett, Alters- und Pflegeheimen. Dagegen wurden „christliche“ Männer schon als Knaben verhärtet, um sie zu erbarmungslosen Kriegern zu dressieren, früher im Dienste von Kirche, König und Kaiser, heute von Karriere, Kapital und Konkurrenzkampf.. Es sind also die uralten gottlosen Spiele um Macht und leider auch Gewalt, die auch in demokratischen Staaten weiter gespielt werden, und nur wenige hören auf ihr mitfühlendes Herz und möchten Barmherzigkeit zur treibenden Kraft politischer Gestaltung werden lassen wie z. B. Heiner Geißler in seinem Buch: Was würde Jesus heute sagen?

Wilhelm Prasse, Religionslehrer i. R.

Dieser Text ist verfasst von Wilhelm Prasse (Villingen-Schwenningen, D).
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