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j) Hitler hat viel geleistet! Meine Antwort




Brief vom 5.10.91 an einen Alt-Nazi

Lieber Herr ..., als Sie mir am 24.8. d. J. beim Spaziergang im Schlosspark von Lütetsburg freimütig bekannten, dass Hitler viel geleistet habe und alles gelogen sei, was jetzt über ihn geschrieben würde, wurden wir leider getrennt, so dass ich Ihnen damals eine Antwort schuldig blieb. Dabei bin ich ja nicht nur ein Zeitzeuge,1930 geboren und während des Krieges ein recht aufgeweckter, neugieriger Knabe, sondern auch ein tief Betroffener, einerseits als Ausgebombter infolge der kriegsverbrecherischen Flächenbombardierungen der Angloamerikaner, andererseits als der viel zu viel für sein Alter ahnende und wissende Sohn eines Oberinspektors der Gestapo-Leitstelle Hannover. Dazu habe ich mir in den letzten Jahrzehnten auf legalen und illegalen Wegen zahlreiche Bild-, Ton- und Textdokumente aus dem „Dritten Reich“ verschafft, um mir nicht aus Sekundärliteratur, sondern aus den Quellen ein möglichst umfassendes Bild und ein fundiertes eigenes Urteil über Ursachen, Ziele und Praktiken des Nationalsozialismus zu machen. Von daher muss ich ihnen recht geben, dass Hitler viel geleistet hat, ja im Vergleich mit allen anderen Diktatoren Einmaliges, alles bisher Dagewesene Übertreffendes. Dazu rechne ich insbesondere:

1. Es gelang ihm wie keinem vorher, sich selbst auf allen Gebieten (nicht nur Politik und Militär, sondern auch Kunst, Wissenschaft, Religion u. a.) zur unumstrittenen, obersten Autorität zu machen, eine große Gefolgschaft zu bedingungslosem Gehorsam bereiter Männer (weniger Frauen) um sich zu scharen und mit Hilfe dieser alle innenpolitischen Gegner innerhalb (Röhm u. a.) und außerhalb der NSDAP (alle anderen Parteien, die Gewerkschaften und Verbände) auszuschalten, dazu Zeugen Jehovas u. a. Pazifisten unschädlich zu machen.

2. Es gelang ihm innerhalb von sechs Jahren eine Hochrüstung, die für die geplanten „Blitz“-Kriege ausreichte, falls dem Einmarsch in benachbarte Länder (Österreich, Tschechoslowakei, Polen, UdSSR) Widerstand geleistet würde und damit der beabsichtigten Neuordnung Europas unter deutscher Führung.

3. Es gelang ihm, einem großen Teil der deutschen Bevölkerung, besonders den Jugendlichen in Schule und DJ/HJ (also auch mir, wie mir auch meine damaligen Schulbücher bestätigen) ein völkisch-rassisch begründetes Elitebewusstsein und -gefühl zu erwecken, verbunden mit dem Rechts- und Machtanspruch des Stärkeren über den Schwächeren, des Hochwertigen über den Minderwertigen.

In diesen bisherigen drei Punkten sehe ich die Voraussetzungen, um genügend Menschen bereit zu machen, nun im Kriege die zur Erreichung der nationalsozialistischen Ziele erforderlichen Praktiken, die vorher schon in kleinerem Rahmen in Deutsehland (militärisch in Spanien) geprobt worden waren, in großem Stile anzuwenden. Dazu gehörten die folgenden, in der Weltgeschichte unbestritten einmaligen Leistungen unseres Führers, die ihn als „den größten Feldherrn aller Zeiten“ (Robert Ley) erweisen und Ihre Auffassung bestätigen:

4. Die „Aktion T 4“, durch die in den ersten Monaten nach Kriegsbeginn etwa 70.000 Behinderte vergast wurden, bis die zunehmenden Proteste aus der Bevölkerung und den Kirchen zur Einstellung dieser Aktion führten. In diesem Zusammenhang möchte ich nur nebenbei hinweisen auf eine ebenso einmalige Praxis zur Verhütung erbkranken Nachwuchses: die zwangsweise Sterilisation ebenso vieler angeblich Erbkranker, die z. T. schwere körperliche Schäden und z. T. den Tod erlitten infolge der medizinischen Eingriffe, die nicht immer einwandfrei waren.

5. Die gegen die Zivilbevölkerung gerichteten Flächenbombardierungen (in Guernica/Spanien erprobt) von Warschau, Rotterdam, Coventry u. a.

6. Die Vernichtung der nicht geflohenen Juden; z.B. exekutierte die Einsatzgruppe A des SD in den ersten drei Monaten des Krieges gegen die Sowjetunion in Litauen, Lettland, Estland und Weißrutenyen allein 118.430 genau gezählte Juden aller Altersstufen. Voraufgegangen war in Deutschland seit 1933 der Verzicht auf den wesentlichen Beitrag, den die Juden vorher an der Blüte der deutschen Kultur, Wissenschaft (mehrere Nobelpreisträger) und Wirtschaft hatten, besonders im Kaiserreich, wo sie im ersten Weltkrieg prozentual mehr Kriegsfreiwillige und Gefallene stellten als der Durchschnitt der Bevölkerung.

7. Der Einsatz von Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern und -arbeiterinnen, Juden und anderer Gruppen bis meist zum Erschöpfungstod in Rüstungs- u. a. Betrieben, das Verhungernlassen und Exekutieren insbesondere von sowjetischen Kriegsgefangenen und Teilen der sowjetischen Zivilbevölkerung, um Raum für deutsche Besiedlung zu schaffen.

8. Die Vollstreckung von 15000 Todesurteilen an Deutschen, wozu schon das Abhören eines Feindsenders oder der Zweifel am Endsieg gehörten wie z. B. bei O. E. Plauen (Verfasser von „Vater und Sohn“) oder Erich Knauf (Verfasser von „Heimat, deine Sterne“ u. a. kriegswichtigen Schlagern). Dazu kommen die zahllosen Hinrichtungen, die auf Anordnung Ilitlers vollstreckt wurden, u. a. an dem nach meinem Urteil bedeutendsten deutschen Theologen Dietrich Bonhöffer.

9. Hitler hat immer wieder den Mut bewiesen, früher geäußerten Überzeugungen entgegen zu handeln, indem er z. B. im Widerspruch zu allen militärischen Erfahrungen am 22.6.41 einen Zweifrontenkrieg eröffnete, nachdem er die Unmöglichkeit einer Eroberung Englands und damit eines Sieges im Westen erkannt hatte. Und das war ein besonders mutiger Entschluss, da er sich ja gegen den Rat der Militärs für den Verzicht auf die Produktion von Fernbombern entschieden hatte und sich so ausrechnen konnte, dass er die Rüstungsfabriken der Sowjetunion hinter dem Ural nicht erreichen konnte, wo z. B. täglich mehr Panzer hergestellt als an der Front zerstört wurden,

10. Und als Ende 1942 die Überlegenheit der Gegner an allen Fronten offensichtlich war, der Rückzug in Afrika und in der Sowjetunion begonnen hatte und die Militärs den Krieg als verloren ansahen, widerstand Hitler der Versuchung, wie der deutsche Kaiser 1918 und der japanische 1945, zu kapitulieren und zurückzutreten, um der Bevölkerung weitere Opfer zu ersparen, sondern eröffnete den totalen Krieg, scheute keine Opfer, und wenn es sich um ganze Armeen handelte wie in Stalingrad und im Kurland oder um 14-17-jährige Hitlerjungen oder Luftschutz-, Flak- und Marinehelfer, mobilisierte im „Volkssturm“ auch noch die älteren Männer und kämpfte bis zum letzten Blutstropfen, unbeirrt davon, dass die Lufthoheit verloren war und eine deutsche Stadt nach der anderen in Schutt und Asche versank durch die alliierten Bomberverbände und Hunderttausende in den Trümmern starben. Ja, nicht einmal die Verluste aller Ostgebiete und das Vordringen der Truppen auf deutsches Reichsgebiet konnten den felsenfesten Verteidigungswillen unseres Führers erschüttern oder ihn hindern, sein ideales Programm der Vernichtung aller europäischen Juden, Zigeuner, der russischen Kriegsgefangenen und der politischen Häftlinge fortzuführen. Hitler soll zwar geäußert haben, dass Deutschland, wenn es diesen Krieg verliere, nicht wert sei, zu überleben, und manche meinen, dass Hitler Deutschland mit in den Abgrund reißen wollte, der sich vor ihm selber auftat, und dass er sein Ende nur hinauszögern wollte. Aber waren wir nicht so innig mit ihm verbunden, so eins, dass wir gern bereit waren zum kollektiven Selbstmord zusammen mit ihm? „Sieg oder Tod“ war die Parole, und entsprach das nicht ganz unserem deutschen Wesen? Sollten wir dem Führer, der uns zu ungeahnter Macht geführt hatte, nun die Treue versagen und nicht mit und für ihn in den Tod gelten? Hat er nicht, alles aus Liebe zu uns getan, und haben wir ihn nicht wiedergeliebt, verehrt, bewundert?

Ja, lieber Herr ..., ich stimme Ihnen zu: Hitler hat viel geleistet und ist seinem und unserem deutschen Wesen treu gewesen, diesem mörderischen und selbstmörderischen Wesen, das seit germanischen Zeiten tief in unserer Seele verankert und nur vorübergehend durch das uns artfremde Juden- und Christentum verdrängt war mit seinen mosaischen Weisungen, die den Schutz des Fremden, des Ausländers gebieten und seine Rechte als Gotteswillen verkünden, und mit seinem christlichen Erbarmen mit den Opfern der Gewalt und des Unrechts. Darum haben wir uns wieder abgewendet von diesem Menschenbild und diesem Jesus mit seiner abgrundtiefen Liebe für das Leben, hin zu Adolf Hitler mit seinem abgrundtiefen Hass gegen das Leben und seiner abgrundtiefen Liebe zum Töten und Zerstören. Darum verehren und bewundern wir in ihm den unübertroffen größten Mörder der Weltgeschichte, der unser deutsches Wesen nicht nur ans Licht gebracht, sondern ideal verkörpert hat, so dass wir uns nicht mehr schämen müssen, sondern stolz darauf sein können, einem solchen Führer vertraut, ihn geliebt, ihm Treue und Gehorsam geschworen und gehalten zu haben. Ohne ihn hätten wir nie erkannt, wozu wir fähig sind, und durch ihn haben wir dann auch den Mut bekommen, Mörder zu werden wie er. So haben wir das Antlitz der Erde verändert und sie – im Verein mit unseren Bundesgenossen – mit dem Blute von 50.000.000 Menschen getränkt. Das ist – um mit Himmler zu sprechen – „eine unauslöschliche Ruhmestat“ im Kampfe des Menschen gegen den Gott Jesu Christi. Dass dieser trotzige, heldenhafte Kampf zur massenhaften Selbstzerstörung führen muss wie der letzte Krieg, mindert nicht den heroischen Stolz derer, die lieber untergehen als zu Kreuze kriechen wollen.

Nun, lieber Herr ..., ich selbst bin überzeugt, dass es den gibt, der ein Herz für die Opfer und die trauernden Hinterbliebenen hat, der die Tränen vor allem der vernichteten Frauen und Kinder und auch die der Überlebenden gesehen hat und sieht, der das millionenfach zerstörte Vertrauen heilt und von der tiefen Angst erlöst, der auch den Tätern vergibt, die erschrecken über den mörderischen Abgrund in ihren Herzen und sich nach Versöhnung sehnen. Und ich weiß von Opfern und Tätern, die diese Versöhnung gefunden haben; daher vertraue ich auf den Sieg der Wahrheit und der Liebe, so wie Jesus sie verstanden hat, über den Lügner und Mörder von Anfang an, wie die Bibel den Widersacher Gottes nennt.

Mit vielen guten Wünschen für Sie grüßt Sie herzlich Ihr [gez. Wilhelm Prasse].

Dieser Text ist verfasst von Wilhelm Prasse (Villingen-Schwenningen, D).
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