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k) Rufmord durch Villinger Tageszeitungen?




Leserzuschrift vom 12.9.96 an Südkurier u. a.

In zwei Fällen haben hiesige Journalisten m. E. in den letzten Monaten mehrfach nicht nur oberflächlich recherchiert und unseriös berichtet, sondern ihre Informationen teilweise verzerrt, übertrieben und emotionalisiert, anstatt ihren Wahrheitsgehalt sorgfältig zu überprüfen und ihre Berichte so abzufassen, dass die vom Grundgesetz geschützte Würde jedes Menschen nicht verletzt und sein guter Ruf nicht völlig zerstört wird. Im ersten Falle ging es um einen wegen vieler Verdienste – die nun nicht mehr erwähnt werden – und in zahlreichen Ehrenämtern bewährten erfolgreichen Kaufmann, der durch Konkurs alles verloren und sich hoch verschuldet hat, einen Mann, der – wie das Finanzamt bestätigen kann – niemals falsche Steuererklärungen abgegeben oder Geld ins Ausland verschoben hat. Worauf zielt nun ein Journalist ab, der z. B. über eine angeblich laufende Untersuchung wegen Betrug und Untreue „berichtet“, und wessen Interessen vertritt er damit?

Im zweiten Fall ging es auch um einen bisher unbescholtenen, in allen Lebensbereichen als tüchtig bekannten, vierfachen Familienvater, der wegen des einige Jahre zurückliegenden sexuellen Missbrauchs seiner jugendlichen Pflegetochter gerichtlich verurteilt wurde und nun in Tageszeitungen zu einem Wüstling gemacht wurde, vor dem schon seit Jahrzehnten kein Kind mehr sicher war – blühende, aber leider von vielen geglaubte Phantasie. Wem wollen solche Journalisten damit dienen, und was wollen sie damit erreichen? Die gesellschaftliche Ächtung und Isolierung, die solche Männer nicht selten in den Selbstmord getrieben hat, so dass aus dem Rufmord Mord wurde?

Nun kenne ich diese beiden Männer schon seit fast 30 Jahren aus verschiedenen Aktionen, bei denen Kirchen und Freikirchen zusammengearbeitet haben, als ganz außergewöhnlich einsatzbereite und warmherzige Menschen, die viel Zeit, Kraft und Geld geopfert haben, um anderen zu helfen. Das sollte nicht auf einmal alles ausgelöscht werden und wird es auch nicht bei den vielen, die diese beiden Männer kennen, ihnen deshalb unvermindert vertrauen, sie weiterhin wertschätzen und ihnen einiges zu verdanken haben. Auch wenn ich mich gemeinde- und glaubensmäßig von beiden unterscheide, wünsche ich ihnen und ihren Familien von Herzen, dass sie in dieser so schweren Lage von ihren Glaubensgeschwistern mitgetragen werden in dem Wissen: „Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein!“ Jesus, der das gesagt hat, forderte ja nur eine einzige Vollkommenheit, die wir mit Gott gemeinsam haben sollten: „Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte." Er richtet nicht – und wir?

Seit meiner Tätigkeit in der Gefangenenseelsorge und als therapeutischer Seelsorger – also an Tätern und Opfern – weiß ich, wie viele Täter früher selbst Opfer waren und wie viele Opfer später Täter werden. Und da wohl alle Menschen beides sind oder werden, danke ich Gott, dass durch Jesus eine alle Verletzungen heilende und alle bösen Taten vergebende Versöhnung nicht nur mit Gott, sondern auch zwischen Opfern und Tätern möglich ist. Wenn doch auch Journalisten dieses Ziel vor Augen hätten – und nicht nur sie!

VS-Villingen, 12.9.96
Wilhelm Prasse, Religionslehrer i. R.

Dieser Text ist verfasst von Wilhelm Prasse (Villingen-Schwenningen, D).
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