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b) Predigtentwurf über Jeremia 18,1-14




für die theologische Abschlussprüfung

Der Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen,
Prof. D. Götz Harbsmeier, am 24. November 1966 vorgelegt von
cand. theol. Wilhelm Prasse für die theologische Abschlussprüfung.


Literaturverzeichnis

K. Dienst, Buß- und Bettage, RGG 3. Auflage Bd. I, Tübingen 1957, Sp. 1539 ff.
J. Fichtner, Bekehrung I. Im AT , dito, Sp. 976 ff.
Propheten II. B. Seit Amos, dito Bd. V Tüb.1961 Sp. 618 ff.
A. Jepsen, Propheten II. C. Die Theologie ... dito Sp. 627 ff.
Kirchenkanzlei der EKiD (Hg.), Die Lage der Vertriebenen und das Verhältnis
des deutschen Volkes zu seinen östlichen Nachbarn. Hannover 1965
K. Koch, Götzendienst im AT. RGG 3. Auflage Bd. II, Tübingen 1958, Sp.1680 ff.
M. Metzger, Grundriß der Geschichte Israels, Neukirchen 1963
W. Rudolph, Jeremia, Tübingen 1947 (HAT, 1. Reihe, Bd. 12)
A. A. van Ruler, Die christliche Kirche und das AT, München 1955
F. Schleiermacher, Predigten Bd. IV, Berlin 1844, S. 69 ff.
G. Voigt, Der helle Morgenstern, Berlin 1956, S. 301 ff.
A. Weiser, Das Buch des Propheten Jeremia, Göttingen 1960 4. Auflage (ATD 20/21)
H. Wildbergler, Jeremia, RGG 3. Auflage Bd. III, Tübingen 1959, Sp. 581 ff.
E. Wolf, Barmen, München 1957 (BEvTh 27)

Predigt-Disposition

E.: Einleitung. Jeremia. Zeit- und Überlieferungsgeschichte.
A.: Hauptteil. Textauslegung. Zu v. 1: Wer ist der "Herr"?
I. Die Vorbereitung: v.2-5.
2-3a: Die persönliche Führung.
3b-4: Das Tun des Töpfers.
5: Einleitungsformel)
II. Der Prophetenspruch: v. 6-11.
6: Gottes souveräne Freiheit.
7-10: Der lebendige Gott und die Verantwortung des Volkes.
Der Herr der Völker und sein Ruf zur Umkehr.
11: Unheilsankündigung für Juda ist ernst gemeint.
III. Israels Treulosigkeit: v.12-14.
12: Der böse Wille des Volkes.
13-14: Heiden, Schnee und Regen sind beständiger.
C.: Schlussteil. Gottes Gegenwart und Herrschaft heute. (Der Dienst Jeremias und der
Auftrag des Christen in Kirche, Volk und Staat. Gottes Anspruch auf
die ganze Existenz und die Befreiung zu verantwortlichem Dienst.)

Vorbemerkung

Bei der Ausarbeitung des folgenden Predigtentwurfes ist an eine Buß- und Bettags-Predigt gedacht worden.

Liebe Gemeinde!

E. Als im Jahre 527 vor Christi Geburt Jeremia zum Propheten berufen wurde, da sprach der Gott Israels zu ihm: „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute dieses Tages über Völker und Königreiche, dass du ausreißen, zerbrechen, verstören und verderben sollst und bauen und pflanzen." Damit wurde Jeremia als junger Mann mitten in die bewegte Völkerwelt jener Zeit hinein und auf einen sehr leidvollen Weg gestellt, denn seine Verkündigung war bestimmt vom Kampf gegen den Götzendienst und vom Ruf zur Umkehr und war erfüllt von Unheilsweissagungen über Juda, die dazu noch nicht einmal in Erfüllung zu gehen schienen. Zunächst geschah sogar genau das Gegenteil, so dass Jeremia nicht nur Vereinsamung und Verfolgung erleiden musste, sondern auch noch den Spott über das Ausbleiben des angekündigten Unheils. In dieser Zeit ging das Weltreich Assyrien unter, und so gelang es Josia, dem König von Juda, die Selbständigkeit seines Staates zurückzugewinnen, ihm die nördlichen Provinzen einzugliedern und damit über das Gebiet des ehemaligen Staates Israel zu verfügen. Auch wurden unter diesem König kultische und politische Reformen durchgeführt, durch die die Verehrung des Gottes Israels in Jerusalem zum einzig zulässigen Gottesdienst wurde und alle anderen Kultstätten und alle Fremdkulte beseitigt wurden.

In diesen Jahren schwieg Jeremia, und es scheint, dass er mit der Politik Josias einverstanden war. Aber nach dessen Tod im Kampf gegen die Ägypter tritt Jeremia erneut auf als Gegner des vom Pharao eingesetzten Königs Jojakim und der Kriegspartei und schweigt nicht, obwohl ihn sein offener Widerstand dem Märtyrertod nahe kommen lässt. Doch trotz seiner Warnungen versuchen Jojakim und nach ihm der König Zedekia einen Aufstand gegen die neue, nun babylonische Oberherrschaft, um für Juda die Freiheit zu erkämpfen – vergeblich und mit dem Erfolg, dass Nebukadnezar – den Jeremia einmal einen Knecht Gottes nennt – schließlich Jerusalem und den Tempel zerstört und den Staat Juda vernichtet. Mit dem Rest des Volkes geht auch Jeremia ins Exil nach Ägypten und stirbt dort als Emigrant. Hier – im Exil – wird vielleicht von seinem Diener Baruch oder von einem Unbekannten die Erzählung niedergeschrieben worden sein, die wir heute im 18. Kapitel des Buches Jeremia finden und – ebenso wie der Schreiber – nur aus der Rückschau her sehen können, von dem Wissen her um die furchtbare Erfüllung der Unheilsweissagung, die Jeremia drei bis vier Jahrzehnte vorher, in den ersten Jahren seines Auftretens als Prophet, verkündigen musste, in einer Zeit also, als die führenden Politiker Israels und mit ihnen das Volk das Unheil im Erleiden der Fremdherrschaft für vergangen und das Heil im Erlangen der Souveränität des Staates für gekommen hielten.

A Der Schreiber schickt im ersten Vers ausdrücklich voraus, dass das, was nun folgt, ein Wort des Gottes Israel sei, dessen heiliger Name nicht ausgesprochen, sondern durch den Begriff „HERR" wiedergegeben wurde, wie es auch Luther dann getan hat. Überall, wo in diesen Versen vom „Herrn" gesprochen wird, ist also der ganz bestimmte Gott gemeint, der sich dem Volke Israel von Anfang an und immer wieder neu als sein Gott und Herr offenbart hat und das nun auch durch Jeremia seit seiner Berufung tat.

I. Da in den folgenden Versen der Prophet selbst als der Erzählende erscheint, ist anzunehmen, dass sie auf einen Selbstbericht Jeremias zurückgehen. Sein Erlebnis beginnt mit einer ganz konkreten, persönlichen Führung durch ein vielleicht im Tempel empfangenes Wort des Herrn, das ihn veranlasst, in das Haus des Töpfers hinabzugehen, also wohl in den im Tal gelegenen südöstlichen Stadtteil Jerusalems, wo das für das Töpferhandwerk nötige Wasser zur Verfügung stand. Dort schaut der Prophet – sicher nicht zum ersten Male – dem Töpfer bei seiner Arbeit zu: wie die Füße das untere Rad der Doppelscheibe in Drehung versetzen und wie die Hände auf dem oberen Rad den feuchten, weichen Ton zu einem dünnwandigen Gefäß formen, vielleicht zu einem Krug oder einem Becher, zu einer Kanne oder einer Schale, vielleicht zu einem Topf, wie Luther übersetzt – jedenfalls zu irgendeinem Gefäß mit irgendeinem Zweck. Genaueres wird nicht mitgeteilt, und außerdem missrät auch das Gefäß, das der Töpfer zu bilden beabsichtigt hatte, so dass er es wieder zu einem formlosen Klumpen Ton zusammenballen und seine Arbeit von neuem beginnen muss, um nun irgendein anderes Gefäß zu formen, ganz nach seinem Belieben. Indem Jeremia diesem uralten Handwerk zusieht, teilt ihm der Gott Israels eine Botschaft für sein Volk mit, die – wie jeder Prophetenspruch – ausdrücklich als ein Wort des Herrn gekennzeichnet und damit abgesichert wird gegen das sonst mögliche Missverständnis, als handele es sich um Menschenweisheit.

II. Die Botschaft beginnt mit einer Frage Gottes an Israel, die er dann gleich selbst beantwortet, und durch dieses Wort wird das Tun des Töpfers zu einem Gleichnis für die Vollmacht des Schöpfers über seine Geschöpfe und des Herrn über sein Volk Israel, das sich völlig in seiner Hand befindet. Weder hat ein Tongefäß das Recht, den Töpfer zu fragen: „Warum machst du mich so?" noch hat der Töpfer die Pflicht, sein Tun zu rechtfertigen vor seinen Geschöpfen. Er lässt sich von ihnen weder die Art seines Handelns noch die Zeit seines Eingreifens vorschreiben, sondern behält sich beides in souveräner Freiheit vor. Das ist die überlegene Antwort des Herrn sowohl auf den Spott seines Volkes wie auf die Klage seines Propheten über das Ausbleiben des angekündigten Unheils. Doch nun wird das Gleichnis des Töpfers und die bildliche Redeweise verlassen, und in den folgenden Versen offenbart sich Gott als ein ganz anderer, der eben nicht – obwohl er die Macht und das Recht dazu hätte – mit den Menschen in launischer Willkür umgeht wie mit einer leblosen Masse, sondern der als der lebendige Gott den Menschen schuf nach seinem Bilde als lebendige Person mit der Fähigkeit zu freier, verantwortlicher Willensentscheidung, und der diese Entscheidung auch gelten lässt und mit ihren Folgen einbezieht in seine Pläne. Dieser Gott Israels steht also in einem ständigen und lebendigen Wechselverhältnis zu den Menschen und verfolgt seine Ziele nicht abgesehen von ihnen, sondern im Gespräch mit ihnen und im Eingehen auf ihr Wollen und Handeln. Auch darin liegt eine Not manches Propheten begründet, der seinen Herrn und sich selbst blamiert sieht, weil Gott infolge eines veränderten menschlichen Tuns sein Wort bereuen und zurücknehmen kann. Damit wird nicht etwa ein menschlicher Zug auf Gott übertragen, sondern Reue als ein göttlicher Zug der menschlichen Person erkannt, und genau so verhält es sich mit der Freiheit und der Verantwortung und allen anderen Eigenschaften, die ihn als eine Person, als ein Ich, als ein Du Gottes kennzeichnen. Eben deswegen werden in diesen Versen die Völker und Königreiche, das heißt die Staaten, die Regierungen, selbst verantwortlich gemacht für kommendes Heil oder Unheil. Noch ein Weiteres zeigen diese Worte, deren Sprache so sehr erinnert an die Berufung Jeremias zum Propheten für die Völker: Der Gott Israels ist der Herr aller Völker und ihrer Geschichte, unbeschadet aller schuldhaften Mitgestaltung oder besser: Verunstaltung der Geschichte durch die Bosheit des Menschen. Gott ruft die Völker ins Dasein – und gegebenenfalls auch wieder ab; er begnügt sich nicht damit, einmal in grauer Vorzeit als Schöpfer tätig gewesen zu sein und vielleicht noch einmal in ferner Zukunft als Vollender seiner Schöpfung tätig zu werden, inzwischen aber die Welt sich selbst und einer natürlichen Entwicklung zu überlassen, sondern er offenbart sich als der gegenwärtige Herr über die ganze Schöpfung, über Natur und Geschichte, über die Völker und über jeden einzelnen Menschen. Unheil droht jedem, der diesen Anspruch nicht anerkennt; Heil wird jedem verheißen, der der Stimme, dem Wort des lebendigen, redenden Gottes gehorcht. Denn das Ziel Gottes mit den Völkern ist nicht ihre Vernichtung, sondern ihre Vollendung, ihr Leben allein unter seiner Herrschaft, frei von allen gottlosen Bindungen an andere Möchte. Auch in diesen Versen geht es gar nicht um einen neuen Willen Gottes, so sehr diese Worte auch in einer ganz bestimmten Situation innerhalb der Geschichte Israels gesprochen wurden, sondern um einen Ruf zurück zu dem Alten Bund mit seinem Zuspruch: „Ich bin der Herr, dein Gott" und mit seinem Anspruch: „Du sollst nicht andere Götter haben neben mir!" Wie ernst dieser Ruf zurück gemeint war, der in Vers 11 – verbunden mit einer Unheilsankündigung – nun direkt an Juda und die Bürger in Jerusalem ergeht, das hat wohl erst der Rest des Volkes im Exil begriffen, nachdem er durch bittere Erfahrungen gelernt hat, nach dem Willen seines Herrn zu fragen, ohne den ein Volk seine Existenz verlieren muss.

III. Vom Exil her rückschauend dürfte wohl auch Vers 12 formuliert worden sein, der so wohl kaum aus dem Munde Jeremias stammen und noch weniger eine direkte Rede wiedergeben wird. Vielleicht war es der Schreiber, der mit so harten Worten den bösen Willen des Volkes anklagt und – um dieses Urteil zu erhärten – noch einen weiteren Prophetenspruch anfügt, der aber wohl auf eine viel spätere Verkündigung Jeremias zurückgeht, als keine Hoffnung mehr bestand auf eine Umkehr des Volkes. Da klagt Gott über die Untreue Israels und vergleicht sein Volk mit den anderen Völkern, die ihren toten Götzen beständiger dienen als Israel dem lebendigen Gott, und sogar mit Schnee und Regen, die doch – jedenfalls in Palästina – schnell vergehen, aber nicht so schnell wie die Treue Israels. Denn schauerliche, gräuliche Dinge tut die Jungfrau Israel, die durch ihre Bindung an den lebendigen Gott befreit worden war von allen mythischen Bindungen an verkehrte Religiosität und sich nun – unfähig zur Treue – freiwillig abwendet von ihrem unsichtbaren Herrn, sich den sichtbaren Götzen hingibt, ihnen opfert und so in ihrer Gottvergessenheit ihre Reinheit, ihre Freiheit und ihr Leben verliert.

B Nun, die Geschichte Gottes mit seinem Volke Israel ist bei diesem unglücklichen Geschehen nicht stehen geblieben, sondern weitergegangen bis in unsere Gegenwart und noch nicht am Ende. Und inzwischen ist der gleiche Gott der sich Israel im Gesetz und in der Verkündigung der Propheten offenbarte, in ganz neuer und unerhörter Weise offenbar geworden in dem Menschen Jesus Christus und in dem Geist, in dem die Gegenwart Gottes in der Gemeinde Jesu Christi bezeugt und die Herrschaft Christi über die ganze Welt verkündigt wird bis heute. Wie einst Jeremia berufen war, als Prophet für die Völker die empfangene Unheilsbotschaft auszurichten und zur Umkehr zu rufen, so ist heute der Christ als Botschafter Gottes berufen, die empfangene frohe Botschaft des Heils in Jesus Christus auszurichten und zur Umkehr zu rufen. Mehr als an der Gemeinde des Alten Bundes sollen die Völker an der Gemeinde des Neuen Bundes den e i n e n Gott, seine Macht und seine Gnade erkennen, denn wie eh und je stehen alle Völker in der Gefahr, den Schöpfer und Herrn zu vergessen, und wie sie einstmals des Wächteramtes der Propheten bedurften, so bedürfen sie heute des Wächteramtes der Gemeinde Christi gegenüber den öffentlichen Sünden der Gegenwart. Ein solches Amt kann allerdings nur eine solche Kirche in glaubwürdiger Weise wahrnehmen, die sich selbst gegenüber wachsam ist und von Umkehr weiß, wie es etwa bei der Bekennenden Kirche deutlich ist, die 1934 in der Barmer Theologischen Erklärung den Götzendienst innerhalb der Kirche offenbar machte und verwarf mit solcher Eindeutigkeit, dass von da an bis heute eine die Kirche reinigende und erneuernde Kraft spürbar ist. Diese Befreiung führte auch zu dem neuen Verantwortungsbewusstsein gegenüber Volk und Staat und auch gegenüber den anderen Völkern, sichtbar zum Beispiel in dem Stuttgarter Schuldbekenntnis des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland 1945 oder auch im vergangenen Jahr in der Denkschrift über die Lage der Vertriebenen und das Verhältnis des deutschen Volkes zu seinen östlichen Nachbarn mit dem deutlichen Bemühen, „in klarer Erkenntnis der gegenseitigen Schuld" „Begriff und Sache der Versöhnung auch in das politische Handeln als einen unentbehrlichen Faktor einzuführen". Denn es ist eine öffentliche Sünde, wenn ein Volk oder eine Regierung mehr Mühe darauf verwendet, einen möglichen Krieg zu gewinnen, als den vorhandenen Frieden zu sichern durch freundschaftliche Beziehung zu allen Völkern, und Jeremia nennt es Götzendienst, wenn ein Volk oder seine Regierung auf seine eigene militärische Macht oder auf die verbündeter Großmächte vertraut und auf diese Weise Hilfe und Sicherung sucht anstatt allein bei dem einzig wahren Herrn der Welt. Es ist eine öffentliche Unwahrheit, wenn ein Volk und eine Regierung sich christlich nennen, ohne die Herrschaft Christi und die Gültigkeit seines Willens für alle privaten und öffentlichen Lebensbereiche anzuerkennen; denn wer meint, an den einen Herrn glauben und einem anderen gehorchen zu können, der hat es auch in seinem Glauben nicht mit dem lebendigen Gott zu tun und trägt dazu bei, dass dessen Name gelästert wird. Jeremia wusste seine ganze irdische Existenz, auch seine Ehelosigkeit und seine Vereinsamung, mit hineingenommen in den prophetischen Dienst, der ihn in einen lebenslangen, leidvollen Kampf gegen die Mächte führte, die der Herrschaft Gottes ihre eigene Herrschaft entgegenzustellen versuchten. Kann es da ein Christ verantworten, ein stilles, beschauliches Leben vorzuziehen, anstatt dem Willen seines Herrn auch in der Öffentlichkeit Geltung zu verschaffen? Es kann doch kein Mensch mit mehr Glaube, Hoffnung und Liebe mitarbeiten an der Überwindung der angeblich unüberbrückbaren sozialen, nationalen und rassischen Gegensätze als ein Christ, der um die in Jesus Christus schon geschehene Versöhnung der Welt mit Gott, um den grundsätzlichen Sieg über die trennende Macht der Sünde, um die befreiende Macht der Vergebung weiß. Denn, so heißt es in der Barmer Theologischen Erklärung, „wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen." So sind wir auch frei, gemeinsam mit Christen anderer Konfession und mit Nichtchristen in gemeinsamer Verantwortung mitzuarbeiten an einer mitmenschlichen Ordnung, die ein möglichst hohes Maß an sozialer Gerechtigkeit, an Frieden und an Freiheit aufweist. Denn unter der Herrschaft Christi werden wir wahrhaft Menschen die ganz ihrem Herrn gehören, mitten in einer Welt, die ganz Gott gehört, und dann gesellt sich zum Gottesdienst untrennbar der Dienst am Menschen, in der frohen Gewissheit des Glaubens: „Dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht, sein wird die ganze Welt; denn alles ist nach seines Todes Nacht in seine Hand gestellt." Amen.

[Beurteilung der Predigt von Herrn Prasse.

Diese Predigt ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sehr wohl möglich und geboten ist, dass durch gemeinverständliche historische Information hindurch die Textverfremdung aufgehoben wird. Die Kontinuität der Kirche mit Israel durch Identität des Gottes des Alten Bundes mit dem Vater Jesu Christi ist gut hervorgehoben. Ihre Relevanz für das schuldige Zeugnis der Kirche wird an „Barmen" und an der Denkschrift und an dem Schuldbekenntnis von 1945 auf eine gute Weise verifiziert.
Wenn auch fallweise der normale Predigthörer sprachlich und historisch überfordert sein mag, so ist doch im Ganzen eine einfache, klare Sprache gewissenhaft gesprochen. Verfasser zeigt, dass er die homiletische Aufgabe klar erkannt und auf eine gute Weise in Angriff genommen hat.

„gut" (2)

Göttingen, den 30.12.1966 gezeichnet: Harbsmeier]

Dieser Text ist verfasst von Wilhelm Prasse (Villingen-Schwenningen, D).
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