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e) Kritik an der Radikalisierung von Schülern




Anlass: Eine politisierte Schülerveranstaltung

Eine Kritik. Gedanken anlässlich eines beinahe umfunktionierten Informationsnachmittags über amnesty international am 15.10.76 und des dabei gezeigten Films.

Hütet Euch vor denen ...

die mit George Orwell's "Farm der Tiere" gegen die Ausbeutung lamentieren - bis sie selbst an der Macht sind;
die gegen die Todesstrafe sind, solange sie nicht bestimmen können, was Recht ist;
die die Herrschaft des Menschen über den Menschen abschaffen, den Dienst des Menschen am Menschen aber nicht lernen wollen;
die sich auf Menschenrechte berufen, um sie später mit den Füßen zu treten;
die Meinungsfreiheit fordern, um Rundfunk, Fernsehen und (Schüler﷓)zeitungen kontrollieren und umfunktionieren zu können;
die ihre lntelligenz benutzen, um andere zu manipulieren anstatt zu informieren und zu Kritik und Selbstkritik zu befähigen;
die sich mit der Ausrede: "Was nützt es, dem Einzelnen zu helfen?" um gelebte Brüderlichkeit herumdrücken;
die gerne Solidaritätserklärungen abgeben, aber keine echte Handlungsorientierung zur Bewältigung gesellschaftlicher Praxis geben können;
die nur mit dem Hirn, aber nicht mit dem Herzen und darum auch nicht mit den Händen bei denen sind, die zu kurz gekommen sind;
die deshalb unglaubwürdig sind und auch andere nicht zu anderem, veränderndem Handeln bewegen können;
die deshalb in ihren Ideen so blass und in ihren Theorien so abstrakt sind, dass sie sie anderen nicht vermitteln können;
die mit ihrem Leben ihrem Denken widersprechen, weil sie zwar lautstark in theoretische Proteste einstimmen, aber sich nicht wirklich und wirksam engagieren in dem praktischen Protest gegen das Elend der Entfremdung in allen seinen Spielarten;
die darum nicht dabei sind, wenn konkrete Not schreit nach Menschen, die sich wenigstens einem einzigen behinderten Kind oder vereinsamten Alten, einem Hungernden oder Gefangenen, einem Süchtigen oder Kranken hilfreich und echt brüderlich zuwenden;
die also zu wenig Hoffnung, zu wenig Vertrauen, zu wenig Liebe und zu wenig Kraft haben, um die Wahrheit zu tun;
die Wahrheit aber ist etwas, was getan werden muss, sagte einer, der sie getan hat und deshalb glaubwürdig ist (Joh. 3, 21).

[abgedruckt in der letzten Ausgabe der Schülerzeitung "Flüstertüte", an der Schüler von mir mitarbeiteten]

Anmerkung der Redaktion: Hütet euch vor denen, die Gott sagen und sich meinen!

Dieser Text ist verfasst von Wilhelm Prasse (Villingen-Schwenningen, D).
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