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g) Eine Konferenz der Anabaptists in den USA




„Das Wort des Lebens weiter erschallen lassen!“ war das Thema einer Konferenz vom 11. bis 14. April 1985, die 1500 Delegierte und Gäste aus sechs verschiedenen Gruppen der Mennoniten und der Brethren in Christ aus den USA und Kanada in Denver vereinte. Die gemeinsame Planung, der gemeinsame Chor, die gemeinsamen täglichen Gottesdienste und das gemeinsame Singen ermöglichten ein hohes Maß an Gemeinschaft untereinander und eine große Offenheit für die vielen Anregungen und Ermutigungen zum treuen Zeugnis im persönlichen Bereich.

Um Neugründung, Evangelisation und Wachstum der Gemeinden ging es in zahlreichen Ansprachen und Bibelarbeiten, in Zeugnissen und Arbeitsgruppen, in Filmen und im Bücherangebot. Bekehrung und Taufe, Wachstum und Jüngerschaft, Gemeinschaft und Evangelisation als zentrale biblische Begriffe gewannen neue praktische Bedeutung für das Leben des Volkes Gottes durch die Vermittlung neuer Erfahrungen und Einsichten, neuer Wege und Ziele mit besonderer Betonung des Zeugnisses gegenüber Nachbarn und Freunden. Das täuferische Anliegen einer sichtbaren Gemeinschaft der Gläubigen kam ebenso ins Blickfeld wie die untrennbare Einheit von Frieden, Evangelisation und sozialer Gerechtigkeit, der drei „Prioritäten im Reich Gottes“ (Don Jacobs). Den europäischen Beobachter beeindruckten insbesondere der demonstrative Gottesdienst vor den Toren einer Fabrikationsstätte für Uran und Plutonium zu militärischen Zwecken und die zutiefst täuferische Botschaft von Myron Augsburger (Washington, D.C.) über die „Kirchen auf dem Dritten Weg“, dem Weg Jesu, zwischen Sozialismus und Kapitalismus, theologischem Liberalismus und Fundamentalismus und zwischen anderen Extremen.

Die mehr als 80 Arbeitsgruppen beschäftigten sich auch mit den vielen Möglichkeiten, andere Menschen mit dem Evangelium zu erreichen, sowie mit der Erneuerung alter Gemeinden. Die Beziehungen zu anderen Religionen und Kulturen, Völkern und Rassen wurden ebenso wichtig genommen wie die zu besonderen Gruppen: Taubstumme, Alleinstehende, Kinder, Jugendliche, Studenten, Industriearbeiter, Touristen u. a. In anderen Workshops ging es um Frieden und soziale Gerechtigkeit, um Bibelarbeit und Hauskreise, um Besuche, Einladungen und Gastfreundschaft, besonders in den Stadtzentren. Es wurde deutlich, dass Evangelisation mehr ist als Predigt, als Worte: ein Lebensstil, wo Hören wichtiger ist als Reden, Beziehung wichtiger als Kontrolle, Sorge für den anderen wichtiger als Konfrontation, das Einanderannehmen wichtiger als das Verurteilen. Und dass auf dieser Konferenz Schwestern und Brüder aus sechs Denominationen einander in den Gottesdiensten herzlich umarmten, war ein Zeugnis für die Glaubwürdigkeit von Römer 15, 7: „Nehmet einander an, wie auch Christus euch angenommen hat, zur Ehre Gottes!“

Wilhelm Prasse
[abgedruckt in: Brücke. Mennonitisches Gemeindeblatt, Hamburg, Nr.4, 1986]

Dieser Text ist verfasst von Wilhelm Prasse (Villingen-Schwenningen, D).
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