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j) Vom fröhlichen Altern




Gedicht von Miriam Steinhart, Israel

Wer achtzig wird, ist selber schuld!
Man braucht dazu sehr viel Geduld
und guten (oder bösen?) Willen,
sowie unzählig viele Pillen
und auch Vertrauen himmelwärts
und schließlich auch ein gutes Herz!

Was sich so mit dem Alter paart,
sind Mängel sehr verschied’ner Art,
die uns die Laune oft verderben,
an denen wir jedoch nicht sterben.

Der Grundsatz, besser sein als scheinen,
ist gar kein Trost bei steifen Beinen!
Der Rücken schmerzt, das Knie ist steif,
so wird man weiter abbruchreif.

So mancher sieht auch nicht sehr klar;
er hat – ob grün ob grau – den Star.
Er meint nur, dass das nicht so störte,
als wenn er, wie sein Freund, schlecht hörte.

Und dann – zum Teile oder ganz? –
schrumpft auch noch die Gehirnsubstanz,
was man zunächst dadurch empfindet,
dass häufig das Gedächtnis schwindet,
weshalb man alles fein notiert
auf Zetteln, die man prompt verliert.
Man sucht, das ist doch nicht zum Lachen,
nach Namen, Worten und nach Sachen.
Die allerwichtigsten Adressen
hat man schon wieder ’mal vergessen!

Wo ist der Ring? Man rauft die Haare!
Vielleicht gestohlen? Ih, bewahre!
Der findet sich schon bald danach;
er lag halt nur im falschen Fach.
Die Schlüssel? Ach, wer kann dafür?
Die stecken draußen an der Tür;
vermutlich schon die ganze Nacht.
Macht nichts; das Haus ist ja bewacht.

Man trägt bedächtig alle Lasten,
und haut man doch mal auf den Kasten,
so merkt man bald: das ist nicht gut.
So bleibt man sanft und dämpft den Mut.

Man wird halt krummer, stummer, dummer;
was ist dagegen schon zu tun?
Nur leider wird man gegen Kummer
niemals immun.

Man muss sich täglich neu bewähren.
Wo soll man sich denn noch beschweren?
Man resigniert und übt Geduld.
Wer achtzig wird, ist selber schuld!