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z) Der lange Weg zur Gleichwürdigkeit




Gerechtigkeit – philadelphia –Menschenwürde – humanitas – Brüderlichkeit – Gleichberechtigung

Die Sache, um die es bei unserem Thema geht, dürfte so alt sein wie die Menschheit und wurde im Laufe ihrer Geschichte verschieden benannt. Ihr Ursprung lag in dem jedem Kind eigenen Gefühl der Verbundenheit miteinander, in seinem angeborenen Urvertrauen und in dem Grundbedürfnis, geliebt und wertgeschätzt zu werden. Doch da wir alle nach der biblischen Urgeschichte Kinder des Brudermörders Kain sind und biologisch zur Familie der Menschenaffen gehören, sind wir nicht nur zu sozialen Beziehungen befähigt, sondern auch zu ihrer Zerstörung bis hin zur Vernichtung anderen und des eigenen Lebens. Um diese Destruktivität wenigstens zu begrenzen, wurden seit Jahrtausenden moralische Ge- und Verbote, Strafgesetze und Erziehungsregeln aufgestellt und mit dazu passenden Gottesbildern religiös begründet. Sogar Schaden anrichtende Tiere vieler Arten wurden vom 8. bis 16. Jahrhundert in europäischen Ländern in ordentlichen Gerichtsverfahren angeklagt und verurteilt, verflucht und verbannt nach Vorbildern im Alten Testament. Die sich nur sehr langsam mildernde, aber bis heute als legitim anerkannte Strafjustiz ist ein Überbleibsel der mittelalterlichen Gerichtspraxis, die ihrer Überwindung noch ebenso harrt wie die noch immer weit verbreitete entwürdigende Bewertung und Behandlung von Menschen in allen Lebensbereichen.

Als selbstverständlich wurde einerseits vorausgesetzt, dass – im Unterschied zu den Tieren – die Menschen selbst verantwortlich sind für ihr Zusammenleben, andererseits, dass dessen Gestaltung – wie bei zahlreichen Tierarten – beruhen musste auf der Herrschaft von mächtigen und daher hoch zu würdigenden Obrigkeiten über ohnmächtige und mehr oder weniger unwürdige Untertanen. Die allerdings haben nie aufgehört, von einer besseren Gerechtigkeit zu träumen. Gefordert wurde sie – – der wohl älteste Begriff für unsere Sache – ähnlich wie bei der neuzeitlichen Gruppensolidarität – allerdings fast immer nur für die Angehörigen der eigenen Bevölkerung oder Religion und unter Ausschluss der Frauen, Kinder und Sklaven. Im westlichen Kulturkreis war die römische Göttin Justitia mit Waage, Augenbinde und Schwert die häufigste Darstellung der strafenden und rächenden Gerechtigkeit, die bis heute weltweit als Grundnorm menschlichen Zusammenlebens betrachtet wird. Die griechischen und römischen Philosophen sprachen als erste von der Würde des Menschen, die auf dem freien Willen und der Fähigkeit zur Selbstbestimmung beruhe. Marcus Tullius Cicero schrieb dazu im Zusammenhang mit dem Begriff humanitas: „Frage: Marcus, wodurch oder weshalb erhält ein Mensch seine Würde? Cicero: Weil wir alle an der Vernunft teilnehmen, an dieser Vorzüglichkeit, mit der wir die Tiere übertreffen“ (De officiis I, 106).

Unter Humanität wurde in der Antike menschliche Gesittung verstanden, zu der u. a. Manneswürde und militärische Disziplin gehörten. Ein anderer Begriff tauchte als Folge neuer Beziehungserfahrungen in einigen Briefen des „Neuen Testamentes“ auf: Philadelphia, Bruderliebe (z. B. Römer 12,10 und 1. Thess. 4,9), Bei ihr ging es nicht darum, in allem miteinander übereinzustimmen oder auch nur einander sympathisch zu finden, sondern um die Aufhebung der bisher trennenden biologischen und geschichtlichen Schranken zwischen Völkern und Kulturen, arm und reich, hoch und niedrig, auserwählt und nicht auserwählt, rein und unrein. Dietrich Bonhoeffer hatte von der Bergpredigt Jesu her diesen weiten Begriff von der mitfühlenden, barmherzigen und „siebzigmal siebenmal“ (Matth. 18,22) vergebenden Bruderliebe: „Während wir unterscheiden zwischen Frommen und Gottlosen, Guten und Bösen, Edlen und Gemeinen, liebt Gott unterschiedslos den wirklichen Menschen. Er duldet es nicht, dass wir die Welt und die Menschen einteilen nach unseren Maßstäben und uns zu Richtern über sie aufwerfen.“ [aus: Ethik als Gestaltung, 1940. In: Werke 6, S. 70f.] Rache und Richten wurden verboten, alle alttestamentlichen Grenzen der Nächstenliebe abgeschafft, und sie selbst wurde vertieft und ausgeweitet auf eine bisher unbekannte, die natürlichen und kulturellen Wir-Gefühle übersteigende weltweite Verbundenheit: Wir Menschen. Jesus forderte daher sogar: „Liebt eure Feinde, bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel, denn er lässt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte, … denn ihr alle seid Brüder“ (Mt 5,44-45).

Durch die gelebte Gütergemeinschaft in der ersten christlichen Gemeinde (Apg. 2,44-45; 5,32) überwand diese brüderlich teilende Liebe sogar das zu Ungerechtigkeit führende Hängen am Eigentum und damit das Streben, „mehr zu besitzen als die meisten Menschen“, das schon Plato in seinem Dialog „Gorgias“ als ungerecht bezeichnete. Aber schon sehr früh wurde Nächstenliebe nicht mehr verstanden im Sinne Jesu als Liebe zu allen Menschen, sondern eingeschränkt auf das Einssein der Brüder und Schwestern in der neuen Familie der getauften Kinder Gottes. Seit dem 3. Jahrhundert war nur noch den entstehenden anerkannten Ordensgemeinschaften Nachfolge Jesu erlaubt, und nach der Konstantinischen Wende im 4. Jahrhundert galt auch der von Jesus gebotene und vorgelebte Verzicht auf Macht und Gewalt nicht mehr. Die antike Lehre vom „gerechten Krieg“ wurde übernommen, und Feinde – auch andersgläubige „Gottesfeinde“ – durften von nun an zwar nicht gehasst, aber im Namen Gottes wieder getötet werden wie im „Alten Testament“. Erst im Zeitalter der Renaissance – der Wiederbelebung des antiken Humanismus – wagte es der Philosoph Giovanni Pico della Mirandola Ende des 15. Jahrhunderts, wieder an die römische humanitas mit ihrem Begriff der Würde des Menschen zu erinnern, und wenig später forderte der entstehende Protestantismus die Freiheit zu persönlichem Zugang zur Schrift und zu Gott und stellte damit die Würde und die Verantwortung des Einzelnen vor Gott in den Mittelpunkt seiner Theologie.

Die Bergpredigt und mit ihr das Gebot der Liebe zu Feinden, um sie zu Freunden zu machen, wurde jedoch als unerfüllbar erklärt; angeblich wollte Jesus nicht tatsächliches Verhalten ändern und gesellschaftliche Herrschafts- und Gewaltverhältnisse in Frage stellen, sondern nur die Menschen ihrer Sündhaftigkeit und Vergebungsbedürftigkeit überführen. Nur die gleichzeitig entstehenden Friedenskirchen wie die Hutterer und die Mennoniten und seit dem 17. Jahrhundert die Quäker lehrten als Ziel Jesu, dass Gottes „Wille geschehe auf Erden wie im Himmel“, wie es im Vaterunser heißt. Entgegen der von den westlichen Kirchen übernommenen Lehre des Augustinus (354-430) von dem durch Erbsünde verdorbenen Menschen, setzte sich seit dem Zeitalter der Aufklärung langsam das Vertrauen auf den Menschen durch. Er wurde nun angesehen als dazu berufen, ein mündiges Ich mit eigenem Fühlen, selbstbestimmtem Wollen und selbständigem Denken zu werden. Begründet damit, dass der Mensch als einziges Lebewesen mit Vernunft und Willen nach dem Bilde Gottes geschaffen sei (1. Mose 1,27), löste sich die Vernunft von kirchlicher Bevormundung, und die Männer wurden sich ihrer gleichen Würde bewusst, bei den Quäkern auch die Frauen.

Es entstanden verschiedene religiöse und nicht religiöse Humanismen, die Achtung dieser Würde und der ihr entsprechenden Rechte und Freiheiten des Menschen forderten. Auch Immanuel Kant berief sich auf die Menschenwürde und begründete sie wie schon Cicero mit der Vernunft des Menschen. Er sah diese Würde dann verletzt, wenn ein Mensch einen anderen bloß als Mittel für seine eigenen Zwecke benutzt. Die Bill of Rights der USA von 1776 und die französische Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte 1789 erwähnen die Menschenwürde nicht, setzen sie aber indirekt voraus. In der französischen Revolution ging es zwar um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, aber nicht um Gleichberechtigung der Menschen, sondern der sozialen Stände im Staat. Der Begriff Brüderlichkeit ersetzte damals wie in heutigen Verfassungen die brüderliche Liebe, die ja – wie alles für glückendes Zusammenleben Wesentliche, z. B. Vertrauen und Freude – nicht als Gesetz befohlen, als politisches Prinzig durchgesetzt, als Menschenrecht gefordert und vor einem Gerichtshof eingeklagt werden kann. Umstritten blieb die Art des Verhältnisses zwischen den Einzelnen und der Gemeinschaft, und das führte über die zunehmende Individualisierung im 19. Jahrhundert zu den Einseitigkeiten und Übertreibungen des Individualismus und des Kollektivismus.

Erst nach dem Erschrecken über die Grausamkeit des ersten Weltkrieges entdeckten Martin Buber, Ferdinand Ebner und andere Philosophen, wie notwendig personale Ich-Du-Beziehungen für die typisch menschliche Arbeit miteinander und Sorge füreinander sind. Zugleich erkannten – zunehmend bis heute – besonders Pädagogen und Psychologen, Psychotherapeuten und Hirnforscher wie z. B. Gerald Hüther die Bedeutung vertrauensvoller Beziehungen für die seelisch-körperliche Gesundheit von Kindern und für die Heilung vieler Leib und Seele krank machender Störungen. Die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entstandenen Wissenschaften vom Menschen sehen im Fehlen von Ich-Du-Beziehungen und der daraus entspringenden Angst und Hartherzigkeit auch eine wesentliche Ursache für die Gewaltbereitschaft sowohl von Eltern, Erziehern und Kriminellen wie auch in Politik, Religion und Militär. Im 20. Jahrhundert entstanden auch die ersten sozialethischen Entwürfe, die alle Menschen einbezogen und nicht nur eine veränderte innere Einstellung, sondern ebenso ein neues politisches und soziales Verhalten anregten und lehrten. Hinzuweisen wäre z. B. auf Albert Schweitzer’s Religionsphilosophie von der „Ehrfurcht vor dem Leben“, die sogar Tiere und Pflanzen einbezog, auf das „Denken und Leben vom Anderen her“ des Religionsphilosophen Emmanuel Levinas und auf Martin Luther King’s Reden über die Feindesliebe als absolute Notwendigkeit für das Überleben der Zivilisation.

Auch außereuropäische Religionen und Philosophien wie z. B. der Buddhismus und der Konfuzianismus bekennen sich heute zu Wert und Würde des einzelnen Menschenlebens und zur Menschlichkeit im Sinne von Mitmenschlichkeit. Dazu sagte Martin Luther King: „Wenn ich von Liebe spreche, spreche ich nicht von einem sentimentalen und schwachen Gefühl. Ich spreche von jener Kraft, die alle großen Religionen als das alle Trennungen überwindende Grundprinzip des Lebens angesehen haben. Man kann sagen, dass Liebe der Schlüssel ist, der die Tür zur letzten Wirklichkeit öffnet.“ (Testament der Hoffnung. Letzte Reden, Aufsätze und Predigten, hg. von Heinrich E. Grosse). Sie führt vielfach auch zu Hilfsbereitschaft und Engagement in sozialen Einrichtungen und beseelte z. B. – um nur einen Namen zu nennen – den polnischen Arzt und Erzieher Janusz Korczak, der sich 1942 mit den ihm anvertrauten 200 jüdischen Kindern ermorden ließ, obwohl er sich hätte retten können. Auch ihn bewegte der „Glaube an den Wert und die Würde des Menschen und der Menschheit“ (Bilans faktò. Werke, Bd. IX), doch erst bei der Gründung der Vereinten Nationen 1949 erlangten Menschenwürde und Brüderlichkeit ihre höchste Gültigkeit als unantastbare und unveräußerliche Grundrechte aller Menschen. In der damaligen Erklärung der Menschenrechte heißt es im zweitem Artikel: „Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.“ Die Menschenwürde wurde zum Fundament der allgemeinen Menschenrechte, die ein würdevolles Dasein sichern sollen, und zugleich zu deren höchstem, vielleicht unerreichbaren Ziel.

Doch beriefen sich die historischen und die im 20. Jahrhundert entstandenen pazifistischen Gemeinschaften und Verbände bisher vergeblich auf das besonders durch Kriege verletzte und bedrohte Grundrecht des Menschen auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Auch heute noch wollen die Mächtigen – wie Martin Luther King schrieb – „immer noch lieber Herren als Brüder sein". Doch nach den Erfahrungen mit Diktaturen, Weltkriegen und erfolglosen Versuchen, Frieden mit Waffen zu schaffen, verbreitet sich mehr und mehr die Bereitschaft, Frieden als eine von der Vernunft gebotene Idee mit Anspruch auf politische Realisierung anzuerkennen und dazu aus der Bergpredigt praktikable soziale Verhaltensmaßstäbe abzuleiten. Zu einer rechtsstaatlichen und freiheitlichen Demokratie gehört das Vertrauen auf Brüderlichkeit und auf die mögliche Gutartigkeit jedes Menschen unverzichtbar hinzu. Der Wendung des Mernschenbildes ins Positive folgt langsam mit dem üblichen Abstand auch die Theologie mit der seit Jesus fälligen Abkehr von dem Gottesbild eines allmächtigen Richters und mit einem neuen Verständnis Jesu und seiner Botschaft. Sie eröffnet uns, die wir nach dem Bilde von Menschen fehlgeprägt wurden, die Rückkehr zu unserem ursprünglichen Menschsein nach dem Bilde Gottes (Joh. 1,9) und den Wiedergewinn unseres angeborenen kindlichen Urvertrauens. Ziel ist der „schalom“, Friede und Heil, liebendes Einssein mit den anderen und mit unserem Vater, „Königreich Gottes“ genannt nach altorientalischer Überlieferung, die sich Gott nur wie einen irdischen König und Richter vorstellen konnte.

Die erst im 20. Jahrhundert geforderte juristische Gleichbehandlung aller Menschen und sogar der Frauen führt bis heute nicht von selbst zu einer faktischen Gleichbehandlung, sondern muss in der Regel mühsam erkämpft werden. Aber aus der Einsicht in die gleiche Würde aller Menschen entspringt eine Weltverantwortung, deren sich zunehmend religiöse und nichtreligiöse Menschen gemeinsam bewusst werden. Da bei Gleichberechtigung in der Regel nicht an Kinder gedacht wird, schuf der dänische Familientherapeut Jesper Juul neuerdings das Wort Gleichwürdigkeit als Maßstab für alle Beziehungen zwischen Menschen einschließlich der Kinder. Der Grund dafür war die Beobachtung Juuls, dass heute Beziehungen in allen menschlichen Bereichen, besonders zwischen Eltern und Kindern und zwischen den Geschlechtern, zunehmend von gegenseitiger Achtung der Würde des anderen bestimmt sind. Der neue Begriff wurde sehr schnell – besonders in den Bereichen Erziehung, Bildung und Psychotherapie – als hilfreich angenommen, da er anschaulicher ist als der Begriff Menschenwürde. Doch ist dieser innere Wert für die meisten Menschen nach Juul „noch eine Qualität, die bewusste Einübung und tägliches Training verlangt.“

Juul hat erfahren: „Wenn Psychotherapie überhaupt ein wenig Aufklärung und ein paar Prinzipien beitragen kann, um Beziehungen auf der Ebene gleicher Würde zwischen Familienmitgliedern zuwege zu bringen, dann insofern, als Gleichwürdigkeit immer der einzig dauerhafte Ausweg aus psychischen Konflikten und existentiellen Krisen war. Selbstwert, Würde, sich selbst treu sein, der sein, der man ist, sich selbst ausdrücken, nein sagen und Grenzen setzen, solche Vorstellungen waren stets zentrale Elemente im Heilungsprozess. Wir wissen deshalb, dass sie eine wichtige Rolle nicht nur für die psychische, soziale und spirituelle Gesundheit des einzelnen spielen, sondern auch wenn wir erfolgreich Familien und Gemeinschaften bilden wollen. Kinder haben alle diese Qualitäten entweder von Geburt an oder brauchen nur ein wenig unterstützt zu werden, um sie zu entwickeln. – Vom Ideal des gut angepassten Massenmenschen entfernen wir uns, und wir haben genug Kenntnisse und Erfahrungen über die Gesundheit und Entwicklung von Menschen sammeln können, die auf vielerlei Weise unser Menschenbild vollständig auf den Kopf stellen.“ (aus: Das kompetente Kind, Rowohlt 1997, S. 39 ff.)

Der neue Wert Gleichwürdigkeit könnte eine wesentliche Bereicherung sein für die erstarkende Zivilgesellschaft in ihrem Bemühen, inmitten der noch herrschenden wirtschaftlichen, politischen und militärischen Mächte, die von jeher Gleichwürdigkeit verhindert haben, langsam gleichberechtigte, brüderliche Formen von Gemeinschaft in allen Lebensbereichen zu schaffen, die schließlich zu einer weltweiten Solidarität führen. Während bisher Würde einigen zu- und anderen abgesprochen werden durfte und der weniger Würdige ehrfürchtig aufzuschauen hatte zu dem auf ihn herunter schauenden Höherwürdigen oder Hochwürden, ermöglicht Gleichwürdigkeit die Begegnung in Augenhöhe und gegenseitiger Achtung. Das wäre das Ende der Herrschaft von Menschen über Menschen und der Beginn des gegenseitigen Dienens, das Jesus lebte (Lukas 22,24-27; Markus 10,45). Dann erfüllt sich für alle verachteten Minderheiten der Traum Anne Franks in ihrem Tagebuch: „Einmal werden wir wieder Menschen sein und nicht nur Juden.“ Sie erlebte diese Gleichwürdigkeit und damit die „bessere Gerechtigkeit“ Gottes (Mattth. 5,20) erst nach ihrem Tod, überwältigt von der Liebe des Gottes, der sie und alle seine zu ihm heimkehrenden Kinder – Opfer und Täter – umarmt wie der Vater den verlorenen Sohn in Jesu Gleichnis (Lukas 15,11-32).

(verfasst am 31.3.12 für die Bezirksversammlung südwestdeutscher und bayrischer Quäker vom 27.-29.4.12 in Schramberg-Sulgen; abgedruckt in "Quäker, Zeitschrift der deutschen Freunde" Nr. 3, 2012, S. 120-125)

Dieser Text ist verfasst von Wilhelm Prasse (Villingen-Schwenningen, D).
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