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s) William P. Young: "Die Hütte. Ein Wochenende mit Gott"




Eine Buchempfehlung von Wilhelm Prasse

„Du wurdest geschaffen, um geliebt zu werden“, heißt es auf Seite 110 in der deutschen Ausgabe dieses überaus erstaunlichen Romans, der 2007 auf Englisch unter dem Titel „The Shack“ erschien, seit 2008 auf zahlreichen Bestsellerlisten verzeichnet ist und inzwischen in über 30 Sprachen und mehr als elf Millionen Exemplaren verkauft wurde. Wie es den Lesern ergeht, beschrieb einer von ihnen so: „Dieses Buch braucht Zeit, um es zu lesen. Und es braucht ein offenes Herz, um es zu verstehen. Mich hat »Die Hütte« wirklich sehr bewegt und zutiefst angerührt.“ Viele, gerade auch solche, die das überlieferte Gottesbild mit Recht bezweifeln, kauften wie ich nach dem Lesen mehrere Exemplare zum Verschenken. Erklärt sich der Ansturm auf dieses Buch aus der tiefen, oft unbewussten Sehnsucht nach einem liebenswerten und vertrauenswürdigen Gott, dessen bedingungslose Zuwendung zu allen Menschen eine Quelle der Kraft ist, um die gestörten privaten und öffentlichen Beziehungen – auch die zur Schöpfung und ihrem Schöpfer – zu heilen?

In seinem 1946 geschriebenen erschütternden Hörspiel „Draußen vor der Tür“ ließ der todkranke Wolfgang Borchert (1921 – 1947) den verstörten Kriegsheimkehrer in der 5. Szene sagen: „Du bist tot, Gott. ... Heute brauchen wir einen neuen. ... An den alten glaubt keiner mehr.“ Über den schreibt William P. Young auf Seite 75: „Im Priesterseminar hatte man ihm beigebracht, dass Gott jegliche Kommunikation mit dem heutigen Menschen eingestellt hatte und es offenbar vorzog, dass sie ausschließlich die alten heiligen Schriften lasen und befolgten, selbstverständlich erst nach der nötigen Auslegung. Gottes Stimme war zu bedrucktem Papier reduziert worden, und selbst dieses geschriebene Wort musste dann noch von den richtigen Autoritäten entschlüsselt und vermittelt werden. Die direkte Kommunikation mit Gott blieb anscheinend den Menschen der Antike und den Unzivilisierten vorbehalten, während der Zugang des gebildeten westlichen Menschen zu Gott von der Intelligenzija kontrolliert und moderiert wurde. Niemand wollte einen lebendigen Gott zum Anfassen. Alle bevorzugten ihn in Buchform, besonders wenn es sich um ein teures, in Leder gebundenes Buch mit Goldrand handelte.“

Wer hat auch den Mut und das Vertrauen, im eigenen Herzen auf den Gott zu hören, der die Menschen ebenso grenzenlos liebt wie alle guten Eltern ihre Kinder? Und wer wagt es schon, entgegen allen Glaubensbekenntnissen sich selbst in den Evangelien auf die Suche zu machen nach dem ganz anderen, zu dem Jesus sagte: „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart“ – den Namen Abba, deutsch: Papa? Sollte der nun einen unbekannten kanadischen Familienvater dazu befähigt haben, den neuen Gott Jesu auf dem ungewöhnlichen Weg eines Science-Fiction-Romans einleuchtender, verständlicher und nicht so widersprüchlich zu beschreiben als die übliche religiöse Literatur? Für mich hat es sich jedenfalls gelohnt, diese – nicht esoterische – Darstellung des Verfassers über die von ihm selbst erlebte und erlittene Veränderung seines erlernten Gottesbildes und die damit verbundene Heilung innerer Verletzungen und äußerer Beziehungen zu lesen.

Dieser Text ist verfasst von Wilhelm Prasse (Villingen-Schwenningen, D).
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