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q) Warnung vor Bert Hellinger's "Familienaufstellungen"




Brief von Wilhelm und Irene Prasse vom 12.5.02

Sehr geehrter Herr Prof. Dieterich,

im BTS-Programm für dieses Jahr lasen wir, dass Sie u. a. einen Kurs über Familienaufstellung nach Bert Hellinger anbieten, der ja bewährte Elemente der systemischen Familientherapie verwendet, wie sie seit etwa dreißig Jahren bekannt sind und von Ihnen in Ihrem Kapitel über Mara Selvini Palazzoli als Skulpturtechnik beschrieben werden. In einem BTS-Kurs zeigte als Beispiel dafür Herr Lask einen Film über Virginia Satir's Vorgehen. Wir selbst haben solche Familienaufstellungen in seelsorgerlich-therapeutischen Kleingruppen (Eheseminaren) als hilfreich erlebt, um erlernte familiäre Verhaltensmuster zu verändern. Wir kennen aber auch mehrere Teilnehmer von Hellinger's Familienaufstellungen (ohne nachhaltige Besserung), haben einige Radiovorträge von ihm und Sendungen mit seinen Sitzungen angehört und stimmen daher überein mit den kritischen Stellungnahmen verschiedener Mitarbeiter der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (siehe die beigefügten drei Kopien aus deren Materialdienst).

Ich lege auch eine Audiokassette (zum Behalten) bei mit einer von uns aufgenommenen 30-minütigen Sendung über Bert Hellingers „Unheimliche Ordnung der Liebe“, die wir für eine Ordnung der Unterwerfung halten unter die autoritäre Persönlichkeit von Hellinger, unter sein extrem direktives Beziehungsmuster und unter die alten patriarchalisch-hierarchischen Rangordnungen, die von Jesus zumindest in Frage gestellt und der neuen Ordnung des Reiches Gottes gegenübergestellt werden, z. B. nach Matthäus 23,8-12: „Ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. Und ihr sollt niemand euren Vater heißen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der im Himmel ist. Und ihr sollt euch nicht lassen Lehrer nennen; denn einer ist euer Lehrer, Christus. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht".

Bekannt ist ja Hellinger's Befehl an eine als Kind von ihrem Vater missbrauchte und dadurch tief verletzte Frau, sich vor ihren Vater-Repräsentanten hinzustellen, zu verbeugen und zu sagen: „Ich habe es gern getan für Dich. Es war schön.“ Ob durch solche Selbstaufgabe und Wiedereinordnung in ein kindliches Gehorsamsmuster seelische Heilung stattfinden kann, bezweifeln wir sehr, zumal diese Methode der Herrschaft bei katholischen Priestern, hinduistischen Gurus und buddhistischen Lamas z. T. sehr beliebt war und ist, um Menschen in Abhängigkeit halten und für verschiedene Zwecke missbrauchen zu können, anstatt ihnen zur Freiheit der Kinder Gottes in alleiniger Abhängigkeit von ihm zu verhelfen. Den Boom um Hellinger erklären wir uns durch die therapeutischen Wirkungen der nicht von ihm erfundenen Familienaufstellung, durch den werbewirksamen Rummel der gefilmten Massenveranstaltungen und nicht zuletzt durch die leider immer noch große Bereitschaft vieler, sich entmündigen und versklaven zu lassen.

Nach unserer Meinung missbraucht also Hellinger die ja nicht von ihm erfundenen Familienaufstellungen entsprechend seinem Menschenbild: Für ihn sind die Menschen für die Ordnungen da, die für ihn Rangordnungen sind, und nicht die Ordnungen für die Menschen, wie Jesus es u. a. am Sabbat deutlich macht. Hellinger geht dabei so weit, dass er Menschenleben opfert um seiner „Ordnung“ willen – auch dafür gibt es erschreckende Beispiele (s. auch Berichte in „Psychologie heute“, z. B. 5/6, 1999, S. 354-356). Kirche darf vor Psychopraktiken und „Seelsorgern“ dieser Art und ihren Organisationen warnen (Urteil des Oberlandesgerichtes Düsseldorf, AZ 18-U 48/00), und auch wir warnen wie viele andere davor, sich diesem Mann und seinen Nachfolgern auszuliefern. Im Reich Gottes geht es nach unserem Verständnis des Wortes und Lebens Jesu nicht um Rechtfertigung, Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung von überlieferten Machtbeziehungen, sondern gerade um ihre Überwindung mit dem Ziel brüderlich-schwesterlicher Gemeinschaft gleichrangiger Kinder Gottes unter der alleinigen Herrschaft ihres Vaters und seines Sohnes Jesu.

Das mir vom IPS zugesandte Buch von Beck habe ich zurückgesandt, da die darin ausgeführten Themen unseres Erachtens für Jesus ohne Bedeutung waren und es darum auch für uns sind. In der Liebe Jesu grüßen wir Sie und Ihre Gattin mit guten Wünschen für Ihr persönliches Ergehen sowie für Ihre Aufgaben in IPS und BTS herzlich.

Ihre Wilhelm und Irene Prasse

Dieser Text ist verfasst von Wilhelm Prasse (Villingen-Schwenningen, D).
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